August-von-Goethe, Relief von Bertel Thorvaldsen

August-von-Goethe, Relief von Bertel Thorvaldsen

„Die Nacht ging es durch die Pontinischen Sümpfe, welche ich daher nicht beschreiben kann. Um 12 Uhr langten wir an der Porta St. Giovanni an. Ich that die Mütze ab und dankte Gott HIER zu seyn.“ August von Goethe ist in der Ewigen Stadt angekommen. Kurz nach der Ankunft in Rom, hat er sich bereits in die deutschen Künstlerkreise eingefunden. Dort wo sein (Über-)Vater einst schwärmte, schwelgte, die Kunst und das Dasein genoss, endet bald darauf das Leben des 40jährigen August. In der Nacht auf den 27. Oktober 1830 stirbt er am Fieber. Andere sagen am Alkohol. Oder war es ein Gehirnschlag? Wohl steht es mit seiner Gesundheit schon nicht zum Besten, bevor er sich auf den Weg machte. Wie auch immer.

Flucht in den Süden

Im April 1830 begibt sich der Sohn des deutschen Dichterfürsten auf seine persönliche Italienreise. Der Enge der Heimat und dem Hofleben in Weimar entkommen, versucht er im warmen Süden den Schatten des dominanten Vater abzuschütteln. Doch der will informiert sein. So berichtet August regelmäßig per Brief und führt ein Reisetagebuch: „Sollte dieses Tagebuch etwas flüchtig erscheinen so verzeihen Sie, ich bin aber auch wie auf der Flucht.“ Schon in Neapel stöhnt er: „Ich gebe Nachricht und Rechenschaft von jedem Tag und meinem Leben hier, aber zuweilen wird es mir sauer zu schreiben, da man dadurch Zeit verliert und das Leben nicht genießen kann.“

Kunst und Genuss

In Mailand amüsiert sich August in der Scala: „Die Röckchen der Tänzerinnen reichen nicht über das Knie …“. Und er beschrieb Gemälde, napoleonische Triumphbögen und die berühmten Hospitäler der Stadt. In Venedig notiert er: „Osterien giebt es auch viele und ich habe sie von den vornehmsten bis zu den niedrigsten durchgetestet.“ Als er die Hadriansvilla im Nordosten von Rom besucht, ist er überwältigt von den antiken Relikten: „Eine ungeheure KaiserZustandsZertrümmerung wird durch gangen.“

Das frühe Ende

Grabstein August von Goethe in Rom

August von Goethes Grabstein in Rom

Vater Goethe veröffentlicht die Italien-Impressionen seines Nachwuchses nicht. Das geschah erst 1999. Aber er verfasst die Grabinschrift: „Goethe Filius Patri antevertens obiit annor XL“, zu Deutsch „Goethes Sohn dem Vater vorangehend gestorben im 40. Jahr 1830.“

Die letzte Ruhe findet August von Goethe auf dem Cimitero acattolico – dem römischen Friedhof für Nicht-Katholische Verstorbene, der vor allem als Begräbnisort in Rom verstorbener Protestanten aus dem Norden bekannt wurde. Goethe selbst wünschte sich einst hier bestattet zu werden.

Und es ist der der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen, der – auf eigenen Wunsch – ein Portraitrelief von August für den Grabstein anfertigt. Aus Sicherheitsgründen wurde das kostbare Marmormedaillon durch einen Bronzeabguss ersetzt. Das Original befindet sich heute in der Gartenloggia der Villa Almone, der Residenz der Deutschen Botschafter in Italien.

August verlässt die Deutsche Botschaft

Für die Ausstellung „WUNDER ROMs im Blick des Nordens“ wird das Kunstwerk abgenommen und restauriert. Zum Jahresende verlässt es dann erstmals Rom und ist ab dem 31. März im Diözesanmuseum zu sehen. „Das schöne Medaillon war eine berührende Geste tiefer Anerkennung und Freundschaft für August. Für mich ist es dies und zugleich auch ein Symbol für den Sehnsuchtsort, der Italien für uns Deutsche immer war und ist. Möge es dies auch in der großen Paderborner Ausstellung spürbar machen“, sagt Dr. Susanne Marianne Wasum-Rainer, Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Italien und San Marino.

Botschafterin Dr. Susanne Marianne Wasum-Rainer und Restaurator Kristian Schneider vor dem Relief des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen

Die Deutsche Botschaft muss während der Ausstellungsdauer jedoch nicht auf das berühmte Porträt verzichten. Kristian Schneider, seit 1990 Restaurator in Rom, wird das Original nach der Abnahme reinigen, einen Abguss erstellen und mittels Halterungen an der Wand befestigen. Derzeit ist das Medaillon fest vermauert. Das hat eine Ausleihe bisher schwergemacht. „Mit diesem Relief erzählen wir eine ganz besondere römische Geschichte“, sagt Prof. Dr. Christoph Stiegemann, der Direktor des Diözesanmuseums. Und das Paderborner Ausstellungsteam freut sich: „Wieder eine außergewöhnliche Leihgabe und ein Stück, dass noch nie in Deutschland gezeigt wurde …“.

Autorin: Waltraud Murauer-Ziebach

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