WUNDER ROMs Schließt Mit Mehr Als 65.000 Besuchern

WUNDER ROMs schließt mit mehr als 65.000 Besuchern

Die Ausstellung im Diözesanmuseum Paderborn  übertrifft die Erwartungen.

Mehr als 65.000 Besucher sahen „WUNDER ROMs im Blick des Nordens – Von der Antike bis zur Gegenwart“ in den letzten viereinhalb Monaten. Am Sonntag, dem 13. August, schloss die große kunst- und kulturhistorische Ausstellung ihre Pforten. Sie thematisierte Rom-Sehnsucht und -Faszination, schwärmerische Verklärung aber auch die Kritik des Nordens an der Ewigen und Heiligen Stadt. Es ging um die Reisen mittelalterlicher Pilger, um künstlerische Interpretationen der Antiken bis in unsere Tage, um die Forschungen von Gelehrten die den jeweiligen Zeitgeist prägten, um Literatur und Fotografie. Rund 200 Exponate, darunter legendäre Machtsymbole wie die monumentale Marmorhand der kolossalen Statue Kaiser Konstantins oder kostbare Reliquiare aus den Kapitolinischen und Vatikanischen Museen war zum Teil erstmals in Deutschland zu sehen. 95 Leihgeber aus ganz Europa sandten Zeugnisse römischer Kultur, mittelalterliche Manuskripte, sakrale Schatzkunst, Architekturfragmente, Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen bedeutender Künstler des Nordens sowie Fotografien nach Paderborn.

Erfolgreichste Sonderausstellung der letzten Jahre

„Die Ausstellung hat alle unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn. „Die Vielzahl der Gruppen und Einzelbesucher sowie die begeisterte Resonanz haben gezeigt, dass unser Konzept, die Ewige Stadt aus der Perspektive der Rom-Reisenden ins Zentrum einer Ausstellung zu rücken, aufgegangen ist. WUNDER ROMs hat sowohl die Caritas-Ausstellung von 2015 mit gut 50.000, als auch die Franziskus-Ausstellung von 2012 mit rund 60.000 Besuchern übertroffen. Sie ist damit die erfolgreichste Sonderausstellung des Diözesanmuseums in den letzten Jahren.“

Die Besucherinnen und Besucher kamen aus allen Teilen Deutschlands, insbesondere aus dem Ruhrgebiet, aus Westfalen und dem Rheinland, Hessen und Niedersachsen. Auch zahlreiche Gäste aus BeNeLux, Italien und dem Vatikan reisten zum Besuch der Rom-Ausstellung nach Paderborn.

Grandioses Ergebnis bei Gruppen- und Schulklassenbesuchen

Insgesamt wurden rund 1.200 Gruppen durch die Ausstellung geführt. Neben den offiziellen Gruppenbuchungen gab es eine Vielzahl von Fachführungen, Besuche von politischen und kirchlichen Delegationen aus dem In- und Ausland, sehr viele Gruppen kamen zudem auf Einladung der Förderer und Sponsoren ins Museum. An den vielfältigen museumspädagogischen Programmen nahmen 136 Gruppen aller Schulformen teil und auch die mehr als 30 Begleitveranstaltungen des „ESTATE ROMANA“, des Römischen Sommers in Paderborn, erfreuten sich großer Beliebtheit. Zu den Highlights zählten die Lesungen der Büchner-Preisträger Martin Mosebach und Sibylle Lewitscharoff. Auch die siebenteilige Gesprächsreihe „Dialoge im Museum“, in der unterschiedliche Experten aus den Bereichen Kunst, Kultur, Literatur und Film miteinander und mit dem Publikum über ausgewählte Exponate diskutierten, fand großen Anklang.

Intensiv wahrgenommen und hochgelobt wurde die Ausstellung in der Presse – sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden und Italien. Hervorgehoben wurde — neben der Qualität und Auswahl der Exponate — die Ausstellungskonzeption.

Nach Rom ist vor Rom

In den kommenden Wochen ist das Diözesanmuseum Paderborn wegen des Abbaus geschlossen, doch bereits am 12. Oktober 2017 eröffnet die nächste Ausstellung: „Christoph Brech – More than Rome“ (bis Juni 2018). Gezeigt werden ausgewählte Fotografien und Videos des zeitgenössischen Künstlers, präsentiert im Dialog mit wichtigen Einzelstücken der Sammlung. Christoph Brech hatte bereits bei WUNDER ROMs mit seinen außergewöhnlichen Arbeiten begeistert.

Faszination Gotik

Bereits im kommenden Jahr steht dann wieder eine thematische Sonderschau auf dem Programm des Diözesanmuseums: „GOTIK – Der Paderborner Dom und die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Europa“, 21. September 2018 bis zum 13. Januar 2019. Anlass für diese große kunst- und kulturhistorische Ausstellung, die eine so bedeutende europäische Epoche beleuchtet, ist die Weihe des Imad-Doms, die sich 2018 zum 950. Mal jährt.

Blicke in die Ausstellung WUNDER ROMs Fotos: Noltenhans

10. Aug.: Dialoge Im Museum – Rom In Der Gegenwartsliteratur

10. Aug.: Dialoge im Museum – Rom in der Gegenwartsliteratur

Do. 10. August 2017 · 19:00

Priv.-Doz. Dr. Silke Horstkotte, Warwick/Leipzig:
Rom in der Gegenwartsliteratur

Letzter Teil der  Reihe
Sieben Dialoge im Museum | Rom, Blicke: verewigt, gegenwärtig

Sieben Jahrhunderte, sieben Blicke auf die Ewige Stadt – die siebenteilige Gesprächsreihe wendet
sich der Kunst- und Kulturgeschichte Roms seit dem Mittelalter und ihrer Vergegenwärtigung
in Literatur und Film zu. Die Vielfalt der Rombilder, ihre geschichtlichen Veränderungen und die Kontroversen,
die mit und um sie geführt werden, diskutiert an sieben Abenden Prof. Dr. Lothar van
Laak (Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Paderborn)
mit Kulturhistorikern, Kunsttheoretikern, Film- und Literaturwissenschaftlern intensiv an den Exponaten
der Ausstellung und an weiteren historischen, literarischen und filmischen Beispielen.

Eintritt (zum ermäßigten Preis) 6 €

Nicht Von Menschenhand Gemacht. Teil 2 Eines Spannenden Gesprächs über Die Wunder Roms.

Nicht von Menschenhand gemacht.
Teil 2 eines spannenden Gesprächs über die Wunder Roms.

Sancta Sanctorum – ein geheimnisvoller Ort

Reliquiar aus der päpstlichen Kapelle „Sancta Sanctorum“ am Lateran SOG. „CAPSELLA VATICANA“ Konstantinopel, 610-641 Vatikanstadt, MUSEI VATICANI © Archivio Fotografico dei Musei Vaticani

„Das Geheimnisvolle, oder sagen wir das, was die Papstkapelle Sancta Sanctorum wirklich ausmacht, ist die Tatsache, dass hier der kostbarste Reliquienschatz Roms aufbewahrt wird, und dass diese Kapelle ein Christusbild beherbergt, von dem es heißt: Es sei nicht von Menschenhand gemacht.“ Prälat Dr. Max-Eugen Kemper hat diese Kapelle genauestens studiert. Sie trägt die Inschrift „Es gibt auf dem gesamten Erdkreis keinen heiligeren Ort“ und ist die älteste Papstkapelle in Rom. Als Botschaftsrat am Heiligen Stuhl hat der profunde Kunstkenner ranghohe Politiker aus aller Welt zu den Wundern Roms begleitet. Und er hat sich dafür eingesetzt, dass in der Ausstellung WUNDER ROMs großartige Exponate aus der Sancta Sanctorum gezeigt werden können. Zu ihnen gehört u.a. die kostbare „Capsella Vaticana“ (Konstantinopel 610-641). Das ovale Gefäß enthielt Knochensplitter, eine Glas-Ampulle, verschiedene Steine und Erde. Aufgrund der besonderen Gestaltung mit einem Gemmenkreuz, unter dessen Kreuzarmen Engel mit zum Gebet erhobenen Armen stehen, und einer Darstellung der Dreifaltigkeit, wird vermutet, dass die in ihr bewahrten Reliquien mit Christus selbst in Verbindung stehen könnten.

Das Gespräch, das wir mit Max-Eugen Kemper für unseren Blog geführt haben, wurde zu einer wunderbaren „Reise“ ins Innere der Sancta Sanctorum, eines außergewöhnlichen, eines heiligen Ortes:

„Die kleine, alte Basilika, die wahrscheinlich aus dem 6. Jahrhundert stammt, wurde dem hl. Laurentius geweiht. Er ist der eigentliche Begründer der Kirche am Tiber. Laurentius war eine faszinierende Gestalt, ein Diakon und einer der ersten großen Märtyrer. In Rom wird er ebenso verehrt wie Petrus und Paulus, die beiden Apostelfürsten.

Mosaiken des Tricliniums beim Lateran.Foto: Martin Knopp, Wikipedia Commons

Die Laurentius-Kapelle war bis wenige Jahre vor ihrer Restaurierung – 1994 bis 1996 – überwiegend geschlossen. Heute kann man sie besichtigen, aber nur mit rechtzeitiger Voranmeldung und nur in kleinen Gruppen. Sie bleibt also geheimnisvoll. Der hier bewahrte Reliquienschatz ist außerordentlich. Leo III., der Papst der sich 799 in Paderborn mit Karl dem Großen traf – hat ihn in einem Zypressenkasten eingefasst, umgeben von Gittern und Türen. Und tatsächlich war er hier Jahrhunderte lang sicher, wurde nie berührt, sogar der Sacco di Roma, die Plünderung Roms und des Kirchenstaats, konnte ihm nichts anhaben. Erst 1903 hat man den Reliquienschrein geöffnet. Die kunstvoll gefertigten Behälter, die in der Kapelle u.a. durch die Feuchtigkeit gefährdet waren, sind heute im Vatikan zu sehen. Die Reliquien wurden in neue Behältnisse gefasst und werden heute wieder unter dem Altar der Sancta Sanctorum selbst bewahrt. Sie stammen aus der Passionszeit Jesu selbst oder gehören zu den ersten frühen römischen Märtyrern, wie Petrus und Paulus, Laurentius, Agnes oder Prassedis.

Diese Reliquien machten die Kapelle zu einem berühmten Pilgerort, was man heute noch sehen kann: Die Stufen sind völlig ausgetreten, „ausgekniet“. Dieser heilige Ort war das Hauptziel der Rom-Pilger. Sie wollten diese Reliquien sehen, wollten den Schrein berühren. Aber fast ebenso wichtig war es, das ganz alte Christusbild zu sehen, das als nicht von Menschenhand gemacht gilt. Das ist ein Begriff, der sich vor allem aus dem politischen Hintergrund erklären lässt: Man wollte dieses Bild

WUNDER ROMs, Blick in die Ausstellung, Gestaltung der Kopfseite mit Darstellung der Mosaiken des Tricliniums/Südseite der Sancta Sanctorum. Foto: Noltenhans

unterscheiden von denen, die Menschen von Göttern gemacht hatten, den Götzenbilder. Nicht von Menschenhand, sondern von Gott gemacht. Es gibt die Legende, dass dieses Christusbild von Lukas gemalt wurde, aber das wäre ja von Menschenhand, und so fügte man hinzu, von Engeln vollendet. Es gibt auch andere Versionen, die eher aus der byzantinischen Tradition kommen. Sie besagen, das Bild sei von selbst über das Meer nach Rom gekommen. Diese nicht von Menschenhand gemachten Bilder sind zum Mythos geworden, weil man eben nicht wusste, wo ihr Anfang lag. Dieser liegt im Dunkeln, bleibt ein Geheimnis. Über die Jahrhunderte hinweg behielt dieses Christusbild, die Salvatorikone, ihre mystische Aura. Sie hat eine Ausstrahlung, die sich nicht so leicht erklären lässt. Wahrscheinlich stammt sie aus dem 6. Jahrhundert, manche glauben, sie sei noch älter. Im Grunde spielt das aber bei Ikonen keine so große Rolle, denn Ikonen wurden immer schon genau abgemalt, das musste man so machen, immer im gleichen Stil, mit der gleichen Technik, mit den gleichen Farben. So kann es durchaus sein, dass dieses Bild zurückgeht auf das vera ikon, das wahre Angesicht Christi.

Das Besondere dieser Kapelle ist also einmal die Tradition, dass sie auf Laurentius zurückgeht, dann der Märtyrerkult und natürlich dieses Christusbild, die Salvatorikone. Aber es gibt noch etwas, die Fresken, und das ist erst jetzt sichtbar geworden. Man weiß heute sehr genau, dass sie zwischen 1277 und 1280 entstanden sind, das geht aus dem Liber pontifikalis von Nikolaus II. hervor. Die Fresken waren sehr stark abgedunkelt und als man sie von den Firnis- und Schmutzschichten befreite, kam ihre ganze Schönheit zum Vorschein. Lange meinte man, sie entstammten einer Vorschule von Giotto (1267 od. 1276-1337), eines Wegbereiters der italienischen Renaissance, oder sie seien schon von Giotto selbst beeinflusst worden. Das ist aber nicht der Fall. Es ist noch eine spätrömische, mittelalterliche Malerei, die da zutage tritt. Gerade an ihrer Farbigkeit merkte man plötzlich, was das für wunderbare Malereien sind, von denen man in Rom eigentlich keine mehr zu haben glaubte. Diese Fresken stellen die ganze Kapelle noch einmal vor Augen: Die Märtyrer, die unter dem Altar der Kapelle begraben sind, also die Petrus- und Paulus-Geschichte in ihren Martyrien und das Leben von Stephanus und Laurentius. Das wichtigste Bild ist über dem Altar zu sehen, die Übergabe der Kapelle durch Petrus und Paulus. Es ist eine wirklich wunderbare Darstellung, die Apostel übergeben die Kapelle an Christus, der an der anderen Seite des Fensters auf dem Thron sitzt. Diese Christus-Gestalt ist insofern von Bedeutung, weil die Künstler, die diese Fresken gefertigt haben, die vielfach überarbeitete Salvatorikone wahrscheinlich noch in einem ursprünglicheren Zustand gesehen haben. Man nimmt daher heute an, dass in diesem Christusbild die alte Ikone am besten zum Vorschein kommt.

Prof. Dr. Christoph Stiegemann und Prälat Prof. Dr. Max-Eugen Kemper in Rom.

Prof. Dr. Christoph Stiegemann und Prälat Prof. Dr. Max-Eugen Kemper in Rom.

Die Sancta Sanctorum ist ein ganz besonderer, ein heiliger Ort, der mich immer wieder neu beeindruckt.“

Seit vielen Jahren ist Prälat Prof. Dr. Max-Eugen Kemper ein wichtiger Ratgeber der Kuratoren des Diözesanmuseums Paderborn. Einen spiritus rector, nennt ihn Prof. Stiegemann, der Leiter des Diözesanmuseums und Kurator der Ausstellung und eben auch einen „Deutsch-Römer“, der oftmals zum Wegweiser und Türöffner für die Paderborner wurde. An deutschen Hochschulen lehrte Max-Eugen Kemper Didaktik der christlichen Kunst und beleuchtete in zahlreichen Veröffentlichungen Themen der christlichen Kunstgeschichte.

 

 

4. Aug.: Workshop: Kamera Trifft Pinsel.

4. Aug.: Workshop: Kamera trifft Pinsel.

Kamera trifft Pinsel.
Auf den Spuren der frühen Rom-Fotografen

Fr. 4.8. | 14.30–18.00 Uhr

Sa. 5.8. | 10.00–16.30 Uhr

Joint Venture der Fotografen Ansgar Hoffmann und Klaus-Peter Semler mit der Künstlerin Claria Stiegemann

Rombilder aus der Frühzeit der Fotografie sind faszinierend – und überraschend. Wer würde hier leuchtende Farben erwarten? Diese Bilder wurden von Hand koloriert. Was für eine Mühe! Für digital verwöhnte Betrachter kaum vorstellbar. Umso reizvoller ist es, diese fast vergessene Technik zu entdecken und zu erlernen.

Die Kursteilnehmer/innen fotografieren zunächst mit einer Digitalkamera und erstellen Fotodrucke, die anschließend einen lasierenden Farbauftrag mit Aquarell- und Eiweißlasurfarben erhalten. Hierbei kann man sich streng an das antike Vorbild halten – so wie es die Künstler in der Frühzeit der Fotografie getan haben. Sie gaben Farben und Oberflächen der Altertümer möglichst genau wieder. Doch der Kurs ist auch als Freiraum zum Experimentieren gedacht, Fotovorlagen können nach eigenen Vorstellungen übermalt und verfremdet werden. Dazu studieren wir Beispiele von Künstlern wie Andy Warhol, Gerhart Richter oder Xenia Hausner.

Außerdem schauen wir in eine Camera obscura, erkunden eine Fachkamera und lernen ganz nebenbei einiges über die Geschichte der Fotografie.

Bitte „Malkleidung“ anziehen, wenn vorhanden Aquarellpinsel mitbringen. Eine eigene Kamera wird nicht benötigt.

Teilnehmerzahl: 8 – 10, es sind nur noch wenige Plätze frei!

Kosten: 90 € inklusiv sind 10 Fotodrucke und die Kolorierfarben

Anmeldung: 05251/125-1400, museum@erzbistum-paderborn.de 

27. Juli: Dialoge Im Museum: Rom Im Hollywood-Kino

27. Juli: Dialoge im Museum: Rom im Hollywood-Kino

Do. 27. Juli 2017 · 19:00 – 20:30

Rom im Hollywood-Kino

Prof. Dr. Rita Morrien, Paderborn

Teil der  Reihe
Sieben Dialoge im Museum | Rom, Blicke: verewigt, gegenwärtig

Sieben Jahrhunderte, sieben Blicke auf die Ewige Stadt – die siebenteilige Gesprächsreihe wendet
sich der Kunst- und Kulturgeschichte Roms seit dem Mittelalter und ihrer Vergegenwärtigung
in Literatur und Film zu. Die Vielfalt der Rombilder, ihre geschichtlichen Veränderungen und die Kontroversen,
die mit und um sie geführt werden, diskutiert an sieben Abenden Prof. Dr. Lothar van
Laak (Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Paderborn)
mit Kulturhistorikern, Kunsttheoretikern, Film- und Literaturwissenschaftlern intensiv an den Exponaten
der Ausstellung und an weiteren historischen, literarischen und filmischen Beispielen.

Weitere Termine der Reihe:  10. August – immer um 19.00 Uhr

Eintritt (zum ermäßigten Preis) 6 €

Rom Ist Ein Gesamtkunstwerk.  Ein Besuch Beim „Deutsch-Römer“ Max-Eugen Kemper.  Teil 1

Rom ist ein Gesamtkunstwerk.
Ein Besuch beim „Deutsch-Römer“ Max-Eugen Kemper. Teil 1

Blick über die Dächer von Rom. Foto: W. Murauer

„Rom habe ich das erste Mal als Schüler gesehen, bei einer Wallfahrt. Das war 1956, und ich weiß noch genau, wie wahnsinnig fasziniert ich von der Sixtinischen Kapelle war.“ Prälat Max-Eugen Kemper lächelt. Niemand konnte damals ahnen, dass er noch unzählige Mal diesen Ort sehen und erleben würde, den er später „Herzkammer der Kirche“ nannte. So der Titel eines Buches das er gemeinsam mit seinem Freund Prof. Dr. Arnold Nesselrath herausgegeben hat.

Rund 29 Jahre seines Lebens hat Prälat Prof. Dr. Max-Eugen Kemper in der Heiligen Stadt verbracht. Der promovierte Theologe, der heute wieder in Deutschland lebt, war Botschaftsrat am Heiligen Stuhl. Im Laufe der Jahre wurde er zu einem profunden Kenner der römischen Kunstschätze. Er begleitete Staatsoberhäupter und Kunstschaffende aus aller Welt zu den „Wundern Roms“, wenn sie zu politischen Gesprächen und einer Audienz beim Papst in die Stadt kamen.

Prälat Kemper, gibt es einen Ort in Rom, der Sie immer noch „magisch“ anzieht?

Foto: ANGELUS
Lizenz: Wikipedia Creative Commons
Originaldatei hier

Das kann ich gar nicht so sagen… Sicher gehört die Sixtina dazu, sie ist immer noch gleich eindrucksvoll wie damals, als ich mit der Schülerwallfahrt nach Rom kam. Wir durften damals von hinten hineingehen, was man heute nicht kann und hatten das Jüngste Gericht genau im Blick. Es war beleuchtet damals, komischerweise, und es hat auf mich einen großen Eindruck gemacht. Ich habe das Jüngste Gericht erst wiedergesehen, als es restauriert wurde. Ich hatte sogar Gelegenheit auf dem Gerüst der Restauratoren sehr nahe an die Gestalten heran zu kommen. Hier konnte man die Freskotechnik von Michelangelo genau studieren, die ja eine andere war, als die seiner Zeitgenossen. Das war eine wunderbare Sache. So konnte ich miterleben, dass dieses Bild durch die Restaurierung eine ganz andere Bedeutung bekommen hatte. Als es noch durch die Firnisschichten und den Kerzenruß verschmutzt und braun war, da wirkte das Bild sehr viel ernster, vor allem die Christusgestalt. Es war ein strenger Richter, der die Hand noch erhoben hatte, als wollte er zum Schlag ausholen, als wäre es der letzte Akt des Jüngsten Gerichts, die Scheidung der Gerechtfertigten von den Verdammten. Und jetzt plötzlich, bei der Restaurierung, nach dem man die Firnisschichten weggenommen hatte, stellt sich heraus, dass dieser Christus ursprünglich nicht so sehr als Richter dargestellt wurde, sondern dass er eigentlich eine Tänzergestalt ist.

Eine Tänzergestalt?

Ja, eine Tänzergestalt, die sich im Grunde genommen in den Himmel heraufhebt, also eine Auferstehungsfigur, das Gegenteil von dem, was man früher angenommen hatte und was im Wesentlichen zu sehen war. Das hat mich sehr fasziniert, dieser Wandel, dass man einen völlig neuen Eindruck bekam. Es ist jetzt im Wesentlichen ein Auferstehungsbild. Man sieht auch, dass Michelangelo niemanden demonstrativ in die Hölle schicken will, sondern alles spielt sich in einer Vorhölle ab, dort, wo die Menschen noch die Möglichkeit haben, an das andere Ufer zu gelangen. Es ist also nicht mehr der Eindruck dieses endgültigen Gerichts, mit diesem dräuenden Christus. Das hat mich doch am meisten beeindruckt. Ich habe später auch die Restaurierungen der anderen Papstkapellen sehr intensiv verfolgt.

Sie hatten das Glück die Sixtinische Kapelle so oft zu besuchen, dort ganz selbstverständlich aus- und eingehen zu können. Die Sixtina ist aber auch ein touristischer Hotspot. Hat sie für Sie ihre Faszination behalten?

Also die Sixitina ist gleich eindrucksvoll geblieben, nur erlebt man sie nicht mehr so intensiv in diesen Massen von Menschen und den ständigen Lautsprecheransagen. Immer wieder wird durchgesagt, dass man nicht sprechen soll und doch tun es fast alle. Ich erinnere mich, dass ich häufiger mit hohen Politikern, also morgens ganz früh, hinein durfte, wenn noch gar nichts los war. Da habe ich bemerkt, dass die Wächter beim Reinkommen das Kreuz schlagen. Später taten sie das nicht mehr. Es ist dann ein völlig säkularisierter Raum. So etwas wie eine geheimnisvolle Stimmung kann gar nicht mehr aufkommen. Man müsste eigentlich zeitgenössische Musik einspielen, ganz leise, die Besucher müssten ganz ruhig sein. Aber das lässt sich natürlich nicht realisieren.

Bei der Sancta Sanctorum, der ältesten Papstkapelle, ist das ganz anders, sie beeindruckt mich bei jedem Besuch aufs Neue. So dass dieser Ort von der geheimnisvollere für mich ist, der mich stärker innerlich berührt.

Prof. Dr. Christoph Stiegemann und Prälat Prof. Dr. Max-Eugen Kemper in Rom.

Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn, und Prälat Prof. Dr. Max-Eugen Kemper in Rom.

Seit Jahrhunderten ist Rom ein Sehnsuchtsort. Keine italienische Stadt zählt mehr Besucher. Warum kommen die Menschen nach Rom, was macht die Anziehungskraft dieser Stadt aus?

Ich kann das gar nicht so sagen, ich finde Rom ist ein Gesamtkunstwerk. Das geht von der Antike über die christlichen Kirchen, durch die ganze Kunst – und Kulturgeschichte bis hin zur römischen Küche!

Herzlichen Dank für das anregende Gespräch.
Teil 2 der Unterhaltung mit Max-Eugen Prälat Kemper gibt es hier demnächst zu lesen.

 

Seit vielen Jahren ist Prälat Prof. Dr. Max-Eugen Kemper ein wichtiger Ratgeber der Kuratoren des Diözesanmuseums Paderborn. Einen spiritus rector, nennt ihn Prof. Stiegemann, der Leiter des Diözesanmuseums und Kurator der Ausstellung und eben auch einen „Deutsch-Römer“, der oftmals zum Wegweiser und Türöffner für die Paderborner wurde. An deutschen Hochschulen lehrte Max-Eugen Kemper Didaktik der christlichen Kunst und beleuchtete in zahlreichen Veröffentlichungen Themen der christlichen Kunstgeschichte.

 

26. Juli: Eine Glänzende Idee – Vergoldern Auf Der Spur

26. Juli: Eine glänzende Idee – Vergoldern auf der Spur

Mi. 26. Juli 2017 · 10:00 – 13:00

Vergolder-Kurs mit der Restauratorin Saskia Polzin-Reichelt

Viele Künstler/innen waren begeistert von Rom, von den Kunstwerken und Heiligtümern der Stadt: Sie zeichneten, malten, modellierten und schufen so ihrerseits neue Kunstwerke. Mit einem Hauch von Gold verliehen sie ihrer Faszination für die Objekte einen besonderen Ausdruck, der so nun auch für uns sichtbar ist. Glänzende Oberflächen lassen Skulpturen und Schreine für uns erstrahlen.

Wir wollen in einem Rundgang durch die Ausstellung diese vergoldeten ROM-Schätze zunächst genauer unter die Lupe nehmen. Wie wäre es, die Technik des Vergoldens auch einmal selbst auszuprobieren? In einem anschließenden praktischen Teil leitet die erfahrene Restauratorin Saskia Polzin-Reichelt dazu an, einen Bilderrahmen mit Schlagmetall in goldenem Glanz erstrahlen zu lassen.

Alter: 10-12 Jahre
Teilnehmer: für 3-8
Kosten (inkl. Material): 15,00 €
Anmeldeschluss: 21.07.
05251/125-1400, museum@erzbistum.de 

Zwischen Pumpernickel, Rom-Verzauberung Und Komplexen Herrschaftsentwürfen

Zwischen Pumpernickel, Rom-Verzauberung und komplexen Herrschaftsentwürfen

 Ein neuer Blog des Literaturwissenschaftlichen Seminars der Universität Paderborn begleitet die letzten Wochen der Ausstellung „WUNDER ROMs im Blick des Nordens“

Der Blog Rom, 7 Blicke. Literaturstudierende auf römischen Spuren stellt sich unter anderem mit folgenden Worten vor:

„An diesem Schnittpunkt zwischen einem historischen Blick auf die Jahrtausende alte Stadt und ihre Besucher mit einem zeitlosen Blick auf die menschliche Haltung des Projizierens, des Wünschens und Idealisierens von Entferntem trifft die Idee der Ausstellung mit der Arbeit des Literaturwissenschaftlers zusammen.“

alles lesen …
19. Juli: Ausgegraben – Bilder Und Geschichten Aus Einer Versunkenen Zeit – Ein Zeichenkurs

19. Juli: Ausgegraben – Bilder und Geschichten aus einer versunkenen Zeit – Ein Zeichenkurs

Mi. 19. Juli 2017 · 10:30 – 13:00

Zeichenkurs für Kinder mit der Kunsthistorikerin und Kunstpädagogin Claria Stiegemann

Bei einem Rundgang durch die Ausstellung begegnen die Teilnehmer/innen Bildern von sportlichen, starken und wunderschönen Figuren, die von Archäologen entdeckt und ausgegraben wurden. In „lebenden Bildern“ können sie diese Figuren einmal nachstellen und überlegen, wie ihre Geschichte wohl weitergegangen sein könnte. All die Ideen werden in einem Comic oder einer Bildergeschichte festgehalten. Dieser Workshop richtet sich an alle, die später einmal Zeichner/in oder Maler/in werden wollen und natürlich an alle, die sich gern Geschichten ausdenken.

Veranstaltungskennzeichen: RFW 4
Alter: 10-13 Jahre
Teilnehmer: 3-10
Kosten: 5,00 €

Anmeldeschluss: 14. Juli
05251/125-1400, museum@erzbistum-paderborn.de