„Römische“ Lieblingsstücke Des Museumsdirektors | Nr. 2

„Römische“ Lieblingsstücke des Museumsdirektors | Nr. 2

Christoph Stiegemann stellt seine persönlichen Favoriten vor.

Oft sind es die Geschichten hinter den Exponaten, die grandiose Werke noch spannender oder liebenswerter machen. Kürzlich haben wir zwei der Lieblingswerke von Museumsdirektor und Kurator Prof. Dr. Christoph Stiegemann vorgestellt, beide stammen vom niederländischen Meister Hendrick Goltzius. Wohin wird er uns beim heutigen Ausstellungsbesuch führen?

Christoph Stiegemann stellt vor:

„Hier sind wir jetzt in unserem kleinen Kunstkabinett, einem etwas abgesonderten Raum. Wir zeigen hier Gemälde, Zeichnungen und auch Kupferstiche der Künstler aus den nördlichen Niederlanden.

Das Raunen der Ruinen

Blick ins Innere des Kolosseums in Rom
Jan Asselijn (*1600–1610, †1652), zugeschrieben
Kreide mit Tusche und Bister lavier, Museumslandschaft Hessen Kassel – Graphische Sammlung. Das Bild konnte nur bis Anfang Juli in der Ausstellung WUNDER ROMs gezeigt werden.

Hendrick Goltzius – dessen Arbeiten wir uns beim letzten Mal angeschaut haben – war Katholik, wie Rubens hat er im Grunde aus dieser Wahrnehmung der katholischen Reform heraus die Antike studiert. In den nördlichen Niederlanden leben die Protestanten, und als sie nach Rom gehen, entdecken sie das Bildmotiv der Ruine. Das Raunen der Ruinen! Also sie sehen nicht nur Schutt und Abfall, nicht nur die Kadaver der Denkmäler, wie Luther das gesagt hat, sondern das Ruinenmotiv wird jetzt ein pittoreskes. Das ist unglaublich spannend für die Künstler aus dem Norden. Und sie bringen etwas mit, was die Römer nicht kannten, die Kunst der Landschaftsmalerei. Die wird also gewissermaßen importiert, aus den nördlichen Niederlanden. Bevor wir uns diese Bilder anschauen, will ich aber noch etwas über die Künstler sagen, deren Werke hier versammelt sind.

Die Malerbande von Rom

Die Niederländer schlossen sich in Rom zu Malerbünden zusammen, und es gab seltsame Aufnahmeriten. Wer also zur Schildersbent gehören wollte, zur Malerbande der Bentvueghels, so nannten sie sich – Bandenvögel – der musste ein dreitägiges Saufritual durchstehen, ein ganz extremer Exzess. Zum Höhepunkt der exzessiven Trinkerei kam es dann in der Santa Constanza, dieser kleinen Rundkirche, der Grabeskirche der Tochter Konstantins, etwas außerhalb der Stadt. Dort stand noch der Sarkophag der Tochter (der heute in den Vatikanischen Museen gezeigt wird) und darauf waren Weintrauben dargestellt. Die Niederländer hielten diesen Ort für einen Tempel des Bacchus. Und dort fand die Aufnahme in die Schildersbent statt.

Die Mitglieder der ehrwürdigen römischen Akademie St. Lucca haben darüber natürlich die Nase gerümpft. Aber es waren immerhin 480 Künstler, die sich zwischen 1620 und 1720 unter dem Namen Bentvueghels zusammenschlossen. Der Brauch, den sie nach Rom mitbrachten, war im Norden die Gesellentaufe. Wenn man in die Malerzunft aufgenommen werden wollte, dann musste man solche Geschichten über sich ergehen lassen. Für Rom war das außergewöhnlich, dort kannte man so etwas nicht.

Als ich die Santa Constanza besucht habe, entdeckte ich in den Nischen des Umgangs eine Art Graffiti, da stand dann Jan Gerhard van Brussels, 1676, alias Oliphant. Ich dachte erst, das seinen fromme Pilger gewesen – von wegen, das waren Mitglieder dieser Rasselbande von Künstlern, die dort ihren Namen hinterlassen haben.

Mensch und Tier nisten sich in den Ruinen ein

Markt auf dem Campo Vaccino – Marché sur le Campo Vaccino Paul Bril (*1553/54, †1626), um 1600 Öl auf Kupfer – H. 32,0 cm; B. 45,3 cm Bordeaux, Ville de Bordeaux, Musée des Beaux-Arts

Und hier stehen wir jetzt vor einem wunderschönen Blatt, das Jan Asselijn zugeschrieben wird, sein Nicknamen war Krabbetje. Die wunderschöne Tuschzeichnung zeigt einen Blick in das nachhaltig zerstörte Kolosseum. Zu sehen ist eine landschaftliche Situation. Hirten lassen zwischen diesen gigantischen Ruinen die Schafe grasten und ein kleines Gebäude ist in das Kolosseum hineingebaut. Dort nisten sich also Menschen ein, in den gigantischen Resten, in den Ruinen. Das ist eine Szene aus dem 17. Jahrhundert.

Viehmarkt auf dem Forum Romanum

Und auch Paul Bril hat eine landschaftliche Situation gemalt. Die Kollegen aus dem Musée des Beaux-Arts in Bordeaux haben uns dieses wunderschöne, kleine Bild geliehen: „Markt auf dem Campo Vaccino“. Auf dem Forum Romanum findet ein Kuhmarkt statt – dort wo man in die hineinschaut, zugewachsen mit meterhohem Schutt, überwuchert von der Natur. Man sieht Schweine, Kühe werden hindurch getrieben und es gibt eine ganz minutiöse und fein detaillierte Darstellung von Vieh, das an einer großen antiken Brunnenschale Wasser trinkt. Seltsam bewohnt sind diese antiken Ruinen, mit einer Loggia auf der eine Dame ihre Blumentöpfe präsentiert, mit hölzernen Anbauten – es vermittelt sich ein erstaunlicher, ganz und gar ländlicher Eindruck dieser Metropole Rom. Die Maler haben das alles so gesehen, um 1600 herum, als die Päpste bereits dabei waren Rom neu zu strukturieren, mit großen städtebaulichen Maßnahmen. In der Ferne ist ja auch die Kuppel des Petersdoms zu erkennen. Es sind Versatzstücke, die der Bril und die anderen Künstler zusammenführt haben, aber die Erfahrung die dahinter steht, die ist authentisch. Es gab die ländlichen Situationen, aber die Kuppel des Petersdoms gab es auch schon. Es ist die Phase der barockzeitlichen Neuerfindung Roms, in der dieses wunderschöne kleine Tafelbild entstanden ist.“

Prof. Stiegemann, herzlichen Dank für die erstaunlichen Geschichten und Entdeckungen.

 Waltraud Murauer-Ziebach

13. Juni: Dialoge Im Museum – Die Filme Fellinis

13. Juni: Dialoge im Museum – Die Filme Fellinis

Do. 13. Juli 2017 · 19:00

Prof. Dr. Jörn Glasenapp, Bamberg
Die Filme Fellinis

Teil der Reihe
Sieben Dialoge im Museum | Rom, Blicke: verewigt, gegenwärtig

Sieben Jahrhunderte, sieben Blicke auf die Ewige Stadt – die siebenteilige Gesprächsreihe wendet
sich der Kunst- und Kulturgeschichte Roms seit dem Mittelalter und ihrer Vergegenwärtigung
in Literatur und Film zu. Die Vielfalt der Rombilder, ihre geschichtlichen Veränderungen und die Kontroversen,
die mit und um sie geführt werden, diskutiert an sieben Abenden Prof. Dr. Lothar van
Laak (Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Paderborn)
mit Kulturhistorikern, Kunsttheoretikern, Film- und Literaturwissenschaftlern intensiv an den Exponaten
der Ausstellung und an weiteren historischen, literarischen und filmischen Beispielen.

Letzter Termin der Reihe:  27. Juli | 10. August, 19.00 Uhr

Eintritt (zum ermäßigten Preis) 6 €

Ergänzend zu der Veranstaltungsreihe wird eine öffentliche Vorlesung an der Universität Paderborn angeboten.
27.4.–20.7. | 14.00–16.00 Uhr: Das Rom der Literatur, Hörsaal L 1

6. Juli: Deutsche In Der „Hauptstadt Der Welt“

6. Juli: Deutsche in der „Hauptstadt der Welt“

Deutsche in der „Hauptstadt der Welt“

Do. 6. Juli 2017 · 19:00

Bildende Kunst trifft Musik.
Der Foto- und Videokünstler Christoph Brech und die Musikwissenschaftlerinnen Dr. Sabine Ehrmann-Herfort und
Prof. Dr. Sabine Meine folgen den Spuren berühmter Deutscher in Rom.
Sie laden ein zu einem informativen und unterhaltsamen Streifzug durch die Stadt und die Musikgeschichte.

Rom, die Stadt der Künste, zog Jahrhunderte lang Künstler aller Gattungen in ihren Bann. Goethe, der Rom auf seiner Italienreise als „Hauptstadt der Welt“ empfand, schuf ein Vorbild für etliche deutsche Kunstreisende, doch bereits seit der Neuzeit war die Stadt auch ein Inspirationsort für Komponisten, darunter Georg Friedrich Händel, Fanny und Felix Mendelssohn oder Franz Liszt. Seit dem 19. Jahrhundert widmen sich deutsche Institute der Förderung der Künste und der Wissenschaften in Rom. Auch der Foto- und Videokünstler Christoph Brech, der sich mit rund 40 Arbeiten an der Ausstellung „WUNDER ROMs“ beteiligt, lebte in der Stadt und arbeitet immer wieder an diesem, wie er sagt, „einzigartigen“ Ort.

Musik hat in seinem Werk einen hohen Stellenwert, auf überraschende und unmittelbare Weise überträgt er sie ins Bild. Beim „Estate Romana“ trifft sich Christoph Brech mit zwei Rom-erfahrenen Musikwissenschaftlerinnen zum Dialog: Sabine Ehrmann-Herfort ist stellvertretende Leiterin der Musikgeschichtlichen Abteilung des Deutschen Historischen Instituts in Rom, Sabine Meine ist Professorin am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Paderborn/Hochschule für Musik Detmold. Gemeinsam gehen sie auf Spurensuche in Rom, nehmen Bezug auf Exponate der Ausstellung und bringen musikalische Impressionen ein.

Eintritt 10 €

Die Lange Reise Zu Den Heiligen Orten

Die lange Reise zu den heiligen Orten

Eine mittelalterliche Handschrift erzählt von der außergewöhnlichen Pilgerreise
eines Mönches von Island über Rom ins Heilige Land.

Das Leiðarvísir-Manuskript ist die frühe Abschrift einer Reisebeschreibung aus dem Jahr 1387. Es wurde dem Diözesanmuseum Paderborn vom, Nordisk Forskningsinstitut Kopenhagen, (nfi.ku.dk/) für die Ausstellung WUNDER ROMs im Blick des Nordens als Leihgabe zu Verfügung gestellt. Foto: Diözesanmuseum

Das Leiðarvísir-Manuskript ist die frühe Abschrift einer Reisebeschreibung aus dem Jahr 1387. Es wurde dem Diözesanmuseum Paderborn vom, Nordisk Forskningsinstitut Kopenhagen, (nfi.ku.dk/) für die Ausstellung WUNDER ROMs im Blick des Nordens als Leihgabe zu Verfügung gestellt. Foto: Diözesanmuseum

Es muss eine beschwerliche Reise gewesen sein, die den Benediktinermönch Nikulás Bergsson Mitte des 12. Jahrhunderts von Island über Rom ins ferne Jerusalem führte: Zunächst per Schiff nach Norwegen und Dänemark, dann weiter zu Fuß auf dem Kontinent, entlang der Via Francigena, einer antiken Handelsroute und Pilgerstraße, über die Schweizer Alpen quer durch Italien bis zu den heiligen Städten der Christenheit Rom und Jerusalem, die er von Brindisi aus über den Wasser- und Landweg erreichte. 1154 landete Bergsson schließlich nach rund einjähriger Pilgerfahrt wieder in Island an und wurde im darauffolgenden Jahr Abt des neu gegründeten Klosters Munkaþverá. Dort entstand sein berühmter Reisebericht „Leiðarvísir“, ein literarischer „Wegweiser“ zu den bedeutenden Stätten der Christenheit.

Der Schatz aus Dänemark darf bei den WUNDERN Roms bleiben

In der Ausstellung WUNDER ROMs ist eine frühe Abschrift dieser Reisebeschreibung aus dem Jahr 1387 zu sehen. Die Handschrift ist eine großzügige Leihgabe des Skandinavischen Forschungsinstituts der Universität Kopenhagen (Nordisk Forskningsinstitut: nfi.ku.dk/). Dank der außergewöhnlich guten Beziehungen zwischen dem Diözesanmuseum und dem Dänischen Forschungsinstitut konnte die fragile Handschrift zunächst für drei Monate nach Paderborn ausgeliehen werden. Nun haben die Dänen die Leihfrist noch einmal verlängert, so dass das selten gezeigte mittelalterliche Manuskript nun sogar bis zum Ende der Ausstellung gezeigt werden kann.

Über Paderborn zum Pantheon

Dr. Christiane Ruhmann, die Kuratorin der Ausstellung, ist überglücklich: „Wir freuen uns sehr und es ist für uns eine große Ehre, dass wir dieses wichtige Zeugnis eines mittelalterlichen Reiseberichts über diesen langen Zeitraum zeigen dürfen. Der ‚Leiðarvísir‘ lässt uns die Bedeutung erahnen, die Rom für die Menschen im Mittelalter hatte, als viele antike Monumente und Gebäude noch im Stadtbild sichtbar und nicht im Schutt späterer Zeiten versunken waren“, so die Kuratorin. Der Isländer Nikulás Bergsson beschreibt neben zahlreichen Kirchen das Pantheon und die Peterskirche mit ihren Ausmaßen. Zudem hatte der Mönch aus dem hohen Norden offenbar Zugang zur berühmten Reliquienkapelle der Päpste am Lateran, der Sancta Sanctorum. „Daraus können wir schließen, dass Bergsson wohl besondere Privilegien genoss und in Kontakt mit Geistlichen am päpstlichen Hof war“, erklärt Christiane Ruhmann. „Diese hatten ihm wohl auch den

Karte Roms mit den sieben Hauptkirchen, Antoine Lafréry/Etienne Du Pérac, 1575-77, Speculum Romanae Magnificentiae, Bayerische Staatsbibliothek München, Rar. 2029, Tafel 4

Besuch der hochberühmten antiken Monumente nahegelegt“. Über ein kleines Detail der Handschrift freut sich die Kuratorin besonders: Unter den zahlreichen Orten, die der isländische Mönch auf seinem langen Weg nach Rom und Jerusalem nennt, ist auch Paderborn verzeichnet. So ist das Manuskript ein stückweit wieder an einen der Schauplätze zurückgekehrt, die der Isländer einst auf seiner mühsamen Pilgerreise auf dem Weg nach Süden durchquert hatte. Nicht nur wegen seiner Bedeutung sondern auch, weil das Leiðarvísir-Manuskript auf ganz einzigartige Weise gezeichnet ist von seiner jahrhundertealten Geschichte, gehört es zu den Exponaten der WUNDER ROMs, die beim Betrachter einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch deshalb freuen sich die Paderborner Ausstellungsmacher sehr, dass die Handschrift bis zum Ende der Schau gezeigt werden kann.

Autorin: Silke Günnewig

„Römische“ Lieblingsstücke Des Museumsdirektors | Nr. 1

„Römische“ Lieblingsstücke des Museumsdirektors | Nr. 1

Blick in die Ausstellung WUNDER ROMs

Blick in die Ausstellung WUNDER ROMs

Museumsdirektor Christoph Stiegemann stellt seine persönlichen Favoriten vor.

WUNDER ROMs ist eine besondere Ausstellung, vor allem, wenn man darüber schreiben darf, sozusagen das „Backstage-Privileg“ hat und hinter die Kulissen schauen darf. Großartig. Und natürlich entwickelt man Vorlieben. So wollte ich wissen, ob auch Christoph Stiegemann, der Direktor des Diözesanmuseum, Lieblingsstücke hat und welche das sind. Gemeinsam sind wir durch das Museum gegangen. Und hier kommt Teil 1 des kleinen, spannenden Rundgangs mit dem Ideengeber und Kurator dieser außergewöhnlichen Ausstellung.

Zunächst ging es flott vorbei an den antiken Größen, der Hand des Kaisers Konstantin, dem Globus vom Vatikanischen Obelisken, auch der mächtige Pinienzapfen aus dem Aachener Dom wurde links liegen gelassen. Wir übersprangen eine ganze Museumebene, beachteten kaum die wunderbare Laokoon-Skulptur und bleiben vor einem großformatigen Gemälde stehen.

Der Heilige Sebastian, Hendrick Goltzius, 1615 LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster, Inv. Nr. 192, Westfälischer Kunstverein, Münster

Der Heilige Sebastian, Hendrick Goltzius, 1615 LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster, Inv. Nr. 192, Westfälischer Kunstverein, Münster

Es zeigt den Heiligen Sebastian gemalt von Hendrick Goltzius. Doch zunächst ging es gar nicht um ihn, sondern um einen kleinen Kupferstich rechts daneben.

Christoph Stiegemann stellt vor:

Meine Lieblingsstücke. Da steige ich natürlich mit der frühen Neuzeit ein, mit dem angehenden Barock. Das ist auch der Zeitraum meiner Forschungsschwerpunkte. Aus dieser Zeit können wir hier fantastische Stücke präsentieren. Besonders die niederländischen Künstler sind nun ganz stark fasziniert von den Wundern Roms. Viele fühlen sich so angezogen von dieser Stadt, dass sie dorthin reisen, um vor Ort die großen Kunstwerke zu studieren. Sie machen Skizzen, stellen Zeichnungen her, wie beispielsweise Hendrick Goltzius, der sogar sehr exakt zeigt, dass er selbst da war und den „Beweis“ hat er in Kupfer gestochen.

Auf diesem Blatt hebt er sich selbst ins Bild, klein, unten am Rand mit seiner Zeichenfeder in der Hand. Und darüber – virtuos umgesetzt – der Apoll vom Belvedere, den er natürlich selbst im Belvedere gesehen hat. Goltzius war also authentisch in Rom, in Arcadia ego. Er kommt zurück, bringt seine Studien mit, hat sich intensiv mit der Antike auseinandergesetzt, und malt in seinem Spätwerk diesen Märtyrer, den hl. Sebastian. Das ist nun ein ganz außergewöhnliches Werk, denn es verarbeitet das Antikenstudium, steigert es und überhöht es.

Düsseldorf Kunstpalast hab ich gerade gefragt, gehtauch: Credit Line: Apollo Belvedere, Hendrick Goltzius, Kupferstich 1617 publ., Museum Kunstpalast, Düsseldorf - Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf (NRW), KA (FP) 3154 D

Credit Line: Apollo Belvedere, Hendrick Goltzius, Kupferstich 1617 publ., Museum Kunstpalast, Düsseldorf – Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf (NRW)

In dieser Darstellung des Sebastian, der hier in einer leichten ¾-Drehung mit entblößtem Oberkörper und auf dem Rücken verschränkten Armen ins Bild gesetzt ist, da ist hineingeheimnisst, eine ganz berühmte Antike und zwar der Torso vom Belvedere. Dieser Torso ist eine Antike, bei der selbst die ganz großen Bildhauer wie Michelangelo nicht gewagt haben sie zu ergänzen. Der Torso bleibt als unendlich schönes, in dieser fragmentierten Form im Grunde auch vollendetes Objekt, vollendetes Kunstwerk, für die Skulptur unantastbar.

In der Malerei zeigt jetzt aber Hendrick Goltzius diesen Torso vom Belvedere – in die Figur des hl. Sebastian übersetzt – und damit vollendet. Er zeigt hier, dass im Wettstreit der Künste die Malerei obsiegt, weil sie quasi die Bildhauerkunst überhöhen und vollenden kann. Zugleich zeigt Goltzius mit diesem christlichen Thema des Barock, dass das Christentum gewissermaßen die Antike umschließt, umfängt und auf eine neue Ebene hebt. Das lässt sich großartig an diesem Gemälde zeigen.

Prof. Stiegemann, herzlichen Dank für die spannenden Einblicke.
Und demnächst hier: Lieblingsstücke II, das Raunen der Ruinen – Entdeckungen im römisch-niederländisch Kunst-Kabinett.

Waltraud Murauer-Ziebach

Do. 22. Juni: Dialoge Im Museum – Literatur Von Klassik Und Romantik

Do. 22. Juni: Dialoge im Museum
– Literatur von Klassik und Romantik

Dr. Marta Famula, Paderborn

Do. 22. Juni 2017 · 19:00 – 21:00

 Teil der  Reihe
Sieben Dialoge im Museum | Rom, Blicke: verewigt, gegenwärtig

Auf ihrem Spaziergang durch sieben Jahrhunderte ewiges und gegenwärtiges Rom haben die „Dialoge im Museum“ die Zeit von Klassizismus und Romantik erreicht. Galt Rom den Klassizisten um 1800 als virtuelles Kunstideal, so stellten die Romantiker dessen Unerreichbarkeit in den Fokus. Ihre Sehnsucht nach dem unwiederbringlich Verlorenen setzte ein Bewusstsein in Gang, dass wir bis heute als das der Moderne begreifen. Der versperrte Weg zurück zum antiken Ideal wird zum Symbol des aus der Verankerung herausgelösten modernen Lebens.
Dieser Blick der Romantiker auf Rom ist Gegenstand dieses Teils der „Dialoge im Museum“, zu denen Prof. Dr. Lothar van Laak (Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Paderborn) mit Kulturhistorikern, Kunsttheoretikern, Film- und Literaturwissenschaftlern intensiv an den Exponaten der Ausstellung verschiedenen Facetten des überzeitlichen Rom nachspürt.

Weitere Termine der Reihe:  13. Juli | 27. Juli | 10. August – immer um 19.00 Uhr

Eintritt (zum ermäßigten Preis) 6 €

Fr. 23. Juni: Leben Von Den Wundern Roms – Campo Santo Teutonico

Fr. 23. Juni: Leben von den Wundern Roms – Campo Santo Teutonico

Prof. Dr. Christoph Stiegemann und Prof. Dr. Stefan Heid

Fr. 23. Juni 2017 · 19:00
Forum St. Liborius,
Grube 3,  33098 Paderborn

 

Msgr. Prof. Dr. Stefan Heid, Direktor des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Rom

Der neben dem Petersdom gelegene Campo Santo Teutonico ist eine weltweit einzigartige Institution: ein Friedhof und doch ein höchst lebendiger Ort! Seit der Zeit Karls des Großen Anlaufstelle für Pilger aus dem Norden, ist er seit Jahrhunderten einer deutsch-flämischen Bruderschaft anvertraut. Aufgrund des dortigen Priesterkollegs strahlt international weit aus. Dieses Kolleg wurde 1876 vom niederrheinischen Priester Anton de Waal gegründet, der vor 100 Jahren starb. Das Kolleg war und ist seither eine Stätte der kirchengeschichtlichen und archäologischen Forschung und ein Zentrum ungebrochener Rombegeisterung. Längst bevor es die modernen Reise- und Kommunikationsmittel gab, wussten die Gelehrten des Campo Santo ihre Landsleute für Rom und den Papst zu interessieren und auch in die Ewige Stadt zu locken. Wie sie dies anstellten, davon handelt der Vortrag und davon erzählen Bilder.

Der Vortrag ist Teil der Ferienakademie „Sehnsuchtsziel Rom“ (22.-25. Juni 2017) der Thomas Morus Akademie Bensberg in Kooperation mit dem Diözesanmuseum Paderborn und mit Unterstützung der Klosterlandschaft OWL.

Eintritt frei

Der Vortrag ist Teil der Ferienakademie „Sehnsuchtsziel Rom“ (22.-25. Juni 2017) der Thomas Morus Akademie Bensberg in Kooperation mit dem Diözesanmuseum Paderborn und mit Unterstützung der Klosterlandschaft OWL.

 

 

So. 11. Juni : Perspektiven – Wunder Roms Neu Interpretiert

So. 11. Juni : Perspektiven – Wunder Roms neu interpretiert

So. 11. Juni 2017 · 14:30

Öffentliche Führung durch die Ausstellung mit Schülerinnen der Klasse 9 des Gymnasiums St. Michael Paderborn

Mehrere Wochen lang haben Schülerinnen einer AG ganz persönliche Texte zu selbst ausgewählten Exponaten der ROM-Ausstellung verfasst. Die Leitung des Kurses teilten sich die Museumspädagogin Heike Bee-Schroedter und die Poetry-Slammerin Sarah Lau.

Entstanden sind Gedichte, Monologe, Gedanken aus Sicht eines Malers, aus der Sicht der Ballerina di Goethe, philosophisch anmutende Überlegungen und Assoziationsketten. Jetzt werden die rombegeisterten Nachwuchs-Slamerinnen ihre Texte im Rahmen einer öffentlichen Führung präsentieren.

Eintritt: 6 € für Erwachsene, 2,50 € für Schüler/innen

Er Saß Hinter Dem Schrank Und Versuchte Rom Zu Ignorieren … Literarische Blicke Auf Die Legendäre Stadt Am Tiber

Er saß hinter dem Schrank und versuchte Rom zu ignorieren …
Literarische Blicke auf die legendäre Stadt am Tiber

Natalie Hansen mit den Schauspielern Barbara Linnenbrügger und Willi Hagemeier im Tonstudio.

Natalie Hansen mit den Schauspielern Barbara Linnenbrügger und Willi Hagemeier im Tonstudio.

Rom im „Blick des Nordens“ – wie sahen eigentlich die Literaten die Ewige und Heilige Stadt? Wie kaum ein anderer hat Goethe unser Bild vom Sehnsuchtsort Rom geprägt, aber es gab auch ganz andere Stimmen! Natalie Hansen von der Universität Paderborn hat sich mit ihrer Bachelor-Arbeit auf literarische Spurensuche begeben und daraus „ganz nebenbei“ Texte für eine  Hörstation in der Ausstellung ausgewählt. Per Kopfhörer können die Besucher in sieben Beispiele aus vier Jahrhunderten (18.- 21. Jh.) eintauchen. Alle ausgewählten Autoren beantworten mit den Textauszügen die imaginäre Frage „Wie nehme ich Rom wahr?“. Es gibt drei positive, drei negative und eine eher spöttische Stimme. Wir haben mit Natalie  Hansen über ihre Arbeit gesprochen und bringen hier vier der Beispiele zu Gehör.

Frau Hansen, was hat Sie bei Ihrer Arbeit an diesem Thema am meisten überrascht?

Natalie  Hansen: Überrascht hat mich die Vielfalt der Stimmen. Man hört immer von der ungebrochenen Faszination Roms. Wirft man aber einen genaueren Blick auf die Literatur, dann stellt man ganz schnell fest, dass viele gar nicht so wunderbar überzeugt und überrascht waren von Rom. Manche – wie beispielsweise Rolf Dieter Brinkmann – finden alles eher abscheulich, schrecklich, fürchterlich und können die Rezeption ihrer Vorgänger und die Rezeption eines Johann Wolfgang von Goethes gar nicht nachvollziehen. Eben weil es nicht nur die positiven, faszinierten und überschwänglichen Stimmen gibt, sondern auch negative, ist die Idee zu dieser Hörstation entstanden. Wir wollten das Spektrum zeigen und haben positive und eher negative, melancholischen Stimmen gegenüberstellt.

Fangen wir mit Goethe (1749-1832) an …

Natalie  Hansen: Goethe ist der Italienreisende schlechthin. Er hat mit seiner „Italienischen Reise“ das kanonische Werk geschrieben, in dem alles zusammenläuft. Er hat das Künstlerische, die Faszination durch die Natur, die Interpretation durch Künstler, die Selbsterfindung vereint. Er hat die meisten, die nach ihm kamen, inspiriert, also auch nach Rom zu fahren, über Rom zu schreiben oder sich in Rom als Künstler zu verwirklichen.

Hörstation: Johann Wolfgang von Goethe, Italienische Reise, 1816, Länge: 6’08 Minuten

Kommen wir zu Johann Joachim Winckelmann, dem „Vater“ der wissenschaftlichen Archäologie und der Kunstgeschichte (1717-1768) …

Natalie  Hansen: Winckelmann ist schlechthin der Begründer des Mythos-Rom-Gedankens. Er hat als erster über Rom geschrieben und angefangen Rom als Inspirationsquelle für das künstlerische Schaffen zu nutzen. Vor Winckelmann haben wir viele, die Pilgerreisen unternehmen oder Bildungsreisen, die ihre Erfahrungen im Zuge der Aufklärung sehr protokollartig aufschreiben, Enzyklopädien verfassen und möglichst detailreich arbeiten, aber weder der künstlerische, noch der Selbstfindungsaspekt sind ihr Thema. Winckelmann ist der erste, der das aufgenommen hat, und in meiner Textauswahl beginnt er mit Worten, die eine sehr schöne Begrüßung der Museumsbesucher sind: Itzo wünsche ich nichts mehr, als Dich hier zu sehen…

Hörstation: Johann Joachim Winckelmann, Briefe, 29. Januar 1757, Länge: 2’12 Minuten

Zwei schwärmende Stimmen. Und jetzt mal zu einem Kritiker: Rolf Dieter Brinkmann (1940-1975)…

Natalie  Hansen: Brinkmann ist – nicht nur – in meiner Textauswahl die negativste Stimme überhaupt. Sein Sprachstil ist relativ vulgär, das Ganze ist patzig und trotzig und irgendwie ein Pamphlet. Wenn man aber nur dieses Patzige, Trotzige sieht, dann wird man Brinkmann nicht richtig gerecht. Man könnte fast sagen, für das negative Lager ist er eine Ikone.

Hörstation: Rolf Dieter Brinkmann, Rom, Blicke, 1979, Länge: 3’56 Minuten

Und als letztes Beispiel an dieser Stelle: Lutz Seiler (*1963), Gewinner des Deutschen Buchpreises 2014. Er beginnt seinen Text tatsächlich mit den Worten: Die ersten Monate saß ich nur da, hinter dem Schrank, und versuchte von dort aus Rom zu ignorieren …

Natalie  Hansen: Lutz Seiler habe ich natürlich reingenommen, weil er schon so konfrontiert ist mit der Rom-Rezeption seiner Vorgänger und mit der Mythologisierung und der Mystifizierung dieser Stadt. Er kam als Schriftsteller, als Stipendiat der deutschen Akademie Villa Massimo nach Rom, und das ist immer mit einem gewissen Druck verbunden. Und es ist die Stadt Rom, die zusätzlich einen Produktionsdruck ausübt. Seiler ist baff und überrannt, muss sich aber mit dieser Faszination auseinandersetzen, die seine Vorgänger Rom entgegen gebracht haben, dabei kriegt er es nicht richtig hin inmitten der „Mächtigkeit“ dieser Stadt, selber noch produktiv zu sein.

Hörstation: Lutz Seiler, Die römische Saison, 2016, Länge: 4’14 Minuten

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Hansen.

Wir empfehlen allen, die jetzt neugierig geworden sind, einen Besuch der Hörstation in der Ausstellung WUNDER ROMs.

Das Interview führte Waltraud Murauer-Ziebach.

6.+7. Mai: Eingeprägt, 2-tägiger Drucktechnik-Workshop Für Erwachsene

6.+7. Mai: Eingeprägt, 2-tägiger Drucktechnik-Workshop für Erwachsene

Geleitet von der Künstlerin, Kunsthistorikerin und Kunstpädagogin Mona Schäfer

Mit Beginn der Renaissance wurde Rom zur „Schule der Welt“: Künstler und Gelehrte entwickelten einen neuen Blick auf die spätantiken Kunstwerke, die als Fragmente Zeugnis von einer glanzvollen Zeit des einstigen Römischen Reichs gaben. So wundert es nicht, dass sie als Staunende und Studierende ihre Eindrücke in den damals modernen Vervielfältigungstechniken, den Drucktechniken, festhielten.

Ein Ausstellungsrundgang zu Beginn nimmt dabei nicht nur Radierungen und Kupferstiche mit Ansichten der Stadt und ihrer Kunstobjekte in den Blick, sondern auch mögliche, im doppelten Sinne einpräg-same Motive für die eigene drucktechnische Gestaltung.

Bei der praktisch-künstlerischen Arbeit in der Druckwerkstatt haben die Teilnehmer/innen Gelegenheit, sich mit den Ursprüngen der Druckgraphik kreativ auseinanderzusetzen. Im Fokus stehen dabei Materialprägedruck und Kaltnadelradierung, Hoch- und Tiefdruckverfahren.

Mit selbst gestalteten Prägestempeln können sie unter Anleitung der Künstlerin und Kunstpädagogin Mona Schäfer erhaben oder vertieft auf feinem Büttenpapier oder Leder drucken lernen. So entstehen Produkte der künstlerischen Druckgraphik, die in Form eines Lichtkunstwerks, eines schmuckvollen Bucheinbands, einer besonderen Grußkarte oder einer Urkunde ihren Ausdruck finden.

Stadtansichten Roms oder Skulpturen, die in der Ausstellung fasziniert haben, geben Anlass zu eigenen Zeichnungsstudien. Die können dann in einem Tiefdruckverfahren – einer Kaltnadelradierung – verarbeitetet werden und so lässt sich eine kleine Auflage der Druckvorlagen erstellen.

Sa. 6.5. | 11.00–16.00 Uhr und So. 7.5. | 11.00–15.00 Uhr

für 4 -8 Teilnehmer/innen
Kosten 10 € (inkl. Material)

Anmeldeschluss: 02.05. 2017
05251/125-1400, museum@erzbistum-paderborn.de