Giuseppe Vasi, Piazza di S. Giovanni in Laterano, Rom. 1752; Quelle: Wikipedia/ Benutzer: Maus-Trauden

Giuseppe Vasi, Piazza di S. Giovanni in Laterano, Rom. 1752; Quelle: Wikipedia/ Benutzer: Maus-Trauden*

„Großartig! Wir kriegen sie wirklich!!!“ Als der Leihvertrag für drei Hauptwerke aus den Kapitolnischen Museen in Rom besiegelt war, hatte das Ausstellungsteam der „WUNDER ROMs“ allen Grund zum Feiern. Die monumentale Hand, ein Relikt der antiken Kolossalstatue des Kaisers Konstantin, würde in wenigen Monaten ihre Reise nach Paderborn antreten und erstmals in Deutschland zu sehen seien. Auch der riesige Kopf eines der Söhne von Konstantin dem Großen wurde zugesagt. Wahre Größen, unübersehbar. Das dritte Exponat: Eine Bronzekugel, erodiert, ein paar Einschusslöcher, vom Zahn der Zeit gezeichnet. Wie ein Schatz sieht sie auf den ersten Blick nicht aus, aber diese hohle Kugel hat es in sich ….
„Es ist ein Relikt, das wie kaum ein zweites die Geschicke des antik-ewigen und des christlich-heiligen Roms vereint“, freut sich Kuratorin Christiane Ruhmann. „Die Bronzekugel vom Vatikanischen Obelisken wird einen ganz zentralen Platz in unserer Ausstellung einnehmen“.

Ein Obelisk für den Circus des Nero

Man schreibt das Jahr 44 v. Chr. Rom ist schön, reich und mächtig. Eine Stadt, die nicht ihres Gleichen hat. Großartige Theater und Tempel mit kunstvollen Skulpturen, weitläufige Thermen und prunkvolle Villen, befestigte Straßen und beeindruckende Obelisken. Letztere stammen vor allem aus Ägypten, wie jener, von dem hier die Rede sein soll.
Kaiser Caligula (37–41 n. Chr.) soll jenen Obelisken nach Rom gebracht haben, den einst „unsere“ Bronzekugel bekrönte. Stolze 25 Meter ragte die Säule in den Himmel und stand auf dem vatikanischen Hügel, im legendären Circus, dem gigantischen Veranstaltungsort des Kaisers Nero.

Als Cäsar der Tod vorhergesagt wurde

Bronzekugel vom vatikanischen Obelisken, 1. Hälfte 1. Jh. n. Chr., Höhe 132, 5 cm, Dm. 80, 5 cm, Rom, Musei Capitolini, Palazzo dei Conservatori © Rom, Musei Capitolini, Archivio Fotografico

Bronzekugel vom vatikanischen Obelisken, 1. Jh. n. Chr., H 132, 5 cm, Dm. 80, 5 cm, Rom, Musei Capitolini, Palazzo dei Conservatori © Rom, Musei Capitolini, Archivio Fotografico

Von Obelisk und Kugel weiß auch der Gelehrte Magister Gregorius zu berichten. Im 13. Jahrhundert reist er von England nach Rom. Er studiert und bestaunt die antiken Meisterwerke der Stadt und fasst seine Eindrücke in einer kleinen Schrift mit dem Titel De mirabilibus urbis Romae (Von den Wundern der Stadt Rom) zusammen. Dort erzählt er folgende Geschichte:
An genau der Stelle, an welcher der Obelisk stehe, habe Julius Caesar, der sich auf dem Weg zum Kapitol befand, einen Brief erhalten. In dem wurde der unmittelbar bevorstehende Mordanschlag gegen ihn aufgedeckt. Caesar habe den Brief entgegen genommen und gesagt, dass er jetzt einen Astrologen sprechen müsse und den Brief nach der Sitzung des Senats auf dem Kapitol lesen werde. Auch der Astrologe hatte ihn gewarnt, aber Caesar setzte seinen Weg fort. Während der folgenden Senats-Sitzung wurde er von den Senatoren um Brutus erstochen. So sei Caesar, Herrscher und Patron der Welt, nachdem er die Freiheit unterdrückt habe, auf dem Scheiterhaufen verbrannt und zu einem Häuflein Asche reduziert, in dieser Bronzekugel eingeschlossen worden.

Die Nadel des Petrus

Zur Zeit des Magister Gregorius war der Ort, an dem der Obelisk stand, längst ein wichtiges Pilgerziel. Dort – in jenem Circus des Nero – hatte nämlich der hl. Petrus nach christlicher Überlieferung sein Martyrium erlitten und dort war er auch bestattet worden. Längst schon war die Arena zerstört, über dem vermuteten Grab des Apostelfürsten hatte Konstantin der Große die Peterskirche erbaut. Die Menschen, die in großer Zahl dorthin strömten, nannten den Obelisken „Nadel des Petrus“. Sie suchten die „virtus“, die heilbringende Kraft des Apostels und damit Vergebung ihrer Sünden, indem sie sich auf dem Weg zur Peterskirche durch die vier bronzenen Halterungen des Monuments hindurchzwängten.
Erst im 16. Jahrhundert, unter Papst Sixtus V., wurde der Obelisk niedergelegt und nach seinem spektakulären Transport mit großem Aufwand auf dem Petersplatz wieder aufgerichtet. Man ersetzte die Bronzekugel durch ein Kreuz über einem Stern, das noch heute den Vatikanischen Obelisken krönt.

Und wo ist die Asche des Imperators?

Die Kugel wurde untersucht und die Zweifel an der mittelalterlichen Überlieferung, die aufgrund des Fehlens antiker Quellen bereits bestanden, bestätigten sich: man fand keine Asche, lediglich Rost und Scherben von der tönernen Gussform der Kugel. Zunächst im Vatikanischen Belvedere aufgestellt, kam die Bronzekugel als Geschenk an das römische Volk später zum Kapitol und wird heute in den Kapitolinischen Museen gezeigt. Die zahlreichen Deformierungen, die sie beim Sacco di Roma 1527, durch bourbonische Büchsenschützen erlitten hat, sind heute noch sichtbar. Und was wirklich mit der Asche von Julius Cäsar geschah, das bleibt wohl im Dunkel der Geschichte verborgen …

Autorin: Waltraud Murauer-Ziebach

*Von Giuseppe Vasi – [1], from de:wiki with these data:Vasi: Lateranspalast Quelle: Giuseppe Vasi: “Le Piazze principali con obelischi, colonne ed altri ornamenti“ – 1752 Caption: Piazza di S. Giovanni in Laterano {{Bild-PD}}, Gemeinfrei

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