Eine mittelalterliche Handschrift erzählt von der außergewöhnlichen Pilgerreise
eines Mönches von Island über Rom ins Heilige Land.

Das Leiðarvísir-Manuskript ist die frühe Abschrift einer Reisebeschreibung aus dem Jahr 1387. Es wurde dem Diözesanmuseum Paderborn vom, Nordisk Forskningsinstitut Kopenhagen, (nfi.ku.dk/) für die Ausstellung WUNDER ROMs im Blick des Nordens als Leihgabe zu Verfügung gestellt. Foto: Diözesanmuseum

Das Leiðarvísir-Manuskript ist die frühe Abschrift einer Reisebeschreibung aus dem Jahr 1387. Es wurde dem Diözesanmuseum Paderborn vom, Nordisk Forskningsinstitut Kopenhagen, (nfi.ku.dk/) für die Ausstellung WUNDER ROMs im Blick des Nordens als Leihgabe zu Verfügung gestellt. Foto: Diözesanmuseum

Es muss eine beschwerliche Reise gewesen sein, die den Benediktinermönch Nikulás Bergsson Mitte des 12. Jahrhunderts von Island über Rom ins ferne Jerusalem führte: Zunächst per Schiff nach Norwegen und Dänemark, dann weiter zu Fuß auf dem Kontinent, entlang der Via Francigena, einer antiken Handelsroute und Pilgerstraße, über die Schweizer Alpen quer durch Italien bis zu den heiligen Städten der Christenheit Rom und Jerusalem, die er von Brindisi aus über den Wasser- und Landweg erreichte. 1154 landete Bergsson schließlich nach rund einjähriger Pilgerfahrt wieder in Island an und wurde im darauffolgenden Jahr Abt des neu gegründeten Klosters Munkaþverá. Dort entstand sein berühmter Reisebericht „Leiðarvísir“, ein literarischer „Wegweiser“ zu den bedeutenden Stätten der Christenheit.

Der Schatz aus Dänemark darf bei den WUNDERN Roms bleiben

In der Ausstellung WUNDER ROMs ist eine frühe Abschrift dieser Reisebeschreibung aus dem Jahr 1387 zu sehen. Die Handschrift ist eine großzügige Leihgabe des Skandinavischen Forschungsinstituts der Universität Kopenhagen (Nordisk Forskningsinstitut: nfi.ku.dk/). Dank der außergewöhnlich guten Beziehungen zwischen dem Diözesanmuseum und dem Dänischen Forschungsinstitut konnte die fragile Handschrift zunächst für drei Monate nach Paderborn ausgeliehen werden. Nun haben die Dänen die Leihfrist noch einmal verlängert, so dass das selten gezeigte mittelalterliche Manuskript nun sogar bis zum Ende der Ausstellung gezeigt werden kann.

Über Paderborn zum Pantheon

Dr. Christiane Ruhmann, die Kuratorin der Ausstellung, ist überglücklich: „Wir freuen uns sehr und es ist für uns eine große Ehre, dass wir dieses wichtige Zeugnis eines mittelalterlichen Reiseberichts über diesen langen Zeitraum zeigen dürfen. Der ‚Leiðarvísir‘ lässt uns die Bedeutung erahnen, die Rom für die Menschen im Mittelalter hatte, als viele antike Monumente und Gebäude noch im Stadtbild sichtbar und nicht im Schutt späterer Zeiten versunken waren“, so die Kuratorin. Der Isländer Nikulás Bergsson beschreibt neben zahlreichen Kirchen das Pantheon und die Peterskirche mit ihren Ausmaßen. Zudem hatte der Mönch aus dem hohen Norden offenbar Zugang zur berühmten Reliquienkapelle der Päpste am Lateran, der Sancta Sanctorum. „Daraus können wir schließen, dass Bergsson wohl besondere Privilegien genoss und in Kontakt mit Geistlichen am päpstlichen Hof war“, erklärt Christiane Ruhmann. „Diese hatten ihm wohl auch den

Karte Roms mit den sieben Hauptkirchen, Antoine Lafréry/Etienne Du Pérac, 1575-77, Speculum Romanae Magnificentiae, Bayerische Staatsbibliothek München, Rar. 2029, Tafel 4

Besuch der hochberühmten antiken Monumente nahegelegt“. Über ein kleines Detail der Handschrift freut sich die Kuratorin besonders: Unter den zahlreichen Orten, die der isländische Mönch auf seinem langen Weg nach Rom und Jerusalem nennt, ist auch Paderborn verzeichnet. So ist das Manuskript ein stückweit wieder an einen der Schauplätze zurückgekehrt, die der Isländer einst auf seiner mühsamen Pilgerreise auf dem Weg nach Süden durchquert hatte. Nicht nur wegen seiner Bedeutung sondern auch, weil das Leiðarvísir-Manuskript auf ganz einzigartige Weise gezeichnet ist von seiner jahrhundertealten Geschichte, gehört es zu den Exponaten der WUNDER ROMs, die beim Betrachter einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch deshalb freuen sich die Paderborner Ausstellungsmacher sehr, dass die Handschrift bis zum Ende der Schau gezeigt werden kann.

Autorin: Silke Günnewig

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