Work in Progress. Ein Screenshot aus der Präsentation zur Ausstellung WUNDER ROMs. ©RMH-Media

Work in Progress. Ein Screenshot aus der Präsentation zur Ausstellung WUNDER ROMs. ©RMH-Media

Ein Gespräch mit Sina Mostafawy.

Ein Theaterstück braucht ein Bühnenbild – meistens. Eine Ausstellung auch – sozusagen. Schon bei der Entstehung der Konzeption, denken die Kurator/innen über die Präsentation nach. Wie soll das Exponat auf die Besucher wirken? Wie müssen wir es „inszenieren“, damit seine Bedeutung erfahrbar wird? Wie stellen wir komplexe Zusammenhänge dar oder machen längst unsichtbar gewordenes wieder sichtbar? Hier kommen die Szenografen ins Spiel. Für die Ausstellung WUNDER ROMs im Blick des Nordens sind das Sina Mostafawy und sein Team von der Firma RMH-Media.

Herr Mostafawy, woran denken Sie, wenn Sie an Rom denken?

Daran, dass ich dort unbedingt einmal hin will. Ich bin ein begeisterter Maler und deshalb ist das ein Muss. Ich möchte vor allem die Bilder von Caravaggio und Velasquez sehen. Rom steht ganz oben auf der Liste der Orte, die ich in meinem Leben besuchen will.

Im Augenblick haben Sie Rom quasi auf dem Schreibtisch. Was genau tun Sie für die kommende Ausstellung?

Wir arbeiten schon seit einigen Jahren mit dem Diözesanmuseum zusammen. Abhängig vom jeweiligen Ausstellungskonzept erstellen wir interaktive Präsentationen, Filme oder Animationen. Dieses Mal geht es zum einen um eine inhaltliche Klammer. Wir werden also erzählen, was in der Geschichte Roms passiert ist, dabei einige Ausstellungstücke näher betrachten und historisch einordnen. Zum anderen arbeiten wir mit einem alten Manuskript, in dem beschrieben wird, wie reisende Gelehrte früher durch Rom gewandert sind. Man kann dann das Original-Schriftstück sehen, sich interaktiv die Übersetzung von bestimmten Absätzen anschauen und danach Bilder aufrufen, die zeigen, wie es heute an den Orten aussieht, zu denen die Menschen damals gepilgert sind.

Können Sie das etwas näher beschreiben?

Wenn man ins Museum kommt, sieht man ganz zentral im Raum das mittelalterliche Manuskript des Magister Gregorius* und zwei Bildschirme – unsere Interaktion. Dort finden Sie die Übersetzung des Textes und auf einer Karte die Pilgerorte. Rechts davon wird es eine Installation geben, mit einem sehr großen Bildschirm, auf dem läuft unsere Animation. Das sieht dann so aus, als ob man ein Architektur-Modell von oben anschauen würde. Aber das hier ist eben kein festes Bild, sondern man sieht die Stadt Rom im Wandel der Zeit.

Wie entstehen solche Ideen? Und wie setzen Sie sie um?

Das ist so ähnlich wie beim Filme machen. Wir bekommen ein Briefing, also das Museumsteam erzählt uns, was geplant ist, was gezeigt werden sollen. Sie stellen vielleicht auch bestimmte Fragestellungen vor, beschreiben, was sie gerne umsetzen würden. Wir gehen dann in unser Kämmerlein zurück und entwickeln ein paar grobe Ideen, was man medial oder als feste Animation oder als Interaktion umsetzen könnte, um zu sehen, ob wir in die richtige Richtung denken. Dann treffen wir uns wieder, sprechen über diesen Blumenstrauß von Ideen und legen fest, welche ein, zwei oder drei Ideen wir im Budgetrahmen verfolgen können. Beim nächsten Treffen stellen wir das Storyboard vor. Mit Zeichnungen und Bildern wird die ganze Geschichte nochmal ausgeführt. Jetzt kann man sehen, wie die Abläufe sind, wie lange der Film dauert, was da gezeigt wird – die ganze Geschichte eben, textlich und visuell. Für die Rom-Ausstellung werden wir einen 3D-Film erzeugen, das ist genauso wie im Theater: Wir bauen Requisiten, stellen sie auf eine Bühne, erzählen einen Plot. Das Stück ist die Software, wir programmieren und produzieren es. Das andere sind die Objekte, die wir modellieren müssen. Das alles geschieht im Computer, digital, wie bei Architekturmodellen, oder wie man das von Filmen kennt. An unserem Rom-Projekt sind sechs Leute beteiligt.

Was sind das für Leute?

Bei der Geschichte, die wir jetzt vorhaben, sind es spezialisierte 3D-Leute. Drei von ihnen sind frühere Studenten von mir. Es sind Medieninformatiker dabei, die sich im 3D-Bereich spezialisiert haben und wissen, wie man solche Objekte erzeugt, wie man Animationen macht. Sie haben auch filmisches Wissen – Dramaturgie, Konzeption, Komposition. Beim Film sind unsere Programmierer nicht eingebunden, bei der Interaktion schon. Sie kennen sich aus mit der sogenannten Usability, also sie sorgen dafür, dass alles für die Benutzer logisch erscheint, dass sie wissen, welchen Knopf sie drücken müssen, wo es weiter geht und so.

Wie wichtig ist das Geschichtenerzählen? Wie finden Sie den roten Faden? Kommt der von außen, entwickeln Sie den im Team?

Das Geschichtenerzählen ist alles. Es ist die Wirbelsäule von dem, was wir mit Bildern und Texten tun. Wenn sie keine Geschichte zu erzählen haben, brauchen sie auch keine Bilder erzeugen. Mir ist es am liebsten, wenn die Technik unsichtbar ist. Ich will eine Geschichte erzählt bekommen. Und so überlege ich, welche medialen Instrumente, Werkzeuge können wir verwenden, um diese Geschichte am besten zu erzählen.

Herr Mostafawy, wir sind gespannt auf die Ihre virtuellen Rom-Geschichten! Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Waltraud Murauer-Ziebach.

Sina Mostafawy ©cross-culture-cologne

Sina Mostafawy ©cross-culture-cologne

Prof. Dr. Sina Mostafawy studierte technische Informatik, arbeitete und promovierte am Frauenhofer Institut und lehrt an der FH Düsseldorf Computergrafik und 3D-Animation. Auf dem Gebiet der Virtuell Reality gehört er zu den Pionieren in Deutschland. In Köln leitet er eine Firma, die in diesem Gebiet aktiv ist, RMH-Media. Sina Mostafawy arbeitet seit seiner Jugend künstlerisch. Das Schaffen von und arbeiten mit Bildern ist auch in der digitalen Welt für ihn zentral: „Wenn ich Medieninformatiker und Medientechniker unterrichte, bringe ich den Leuten ein bisschen von der Technik bei, von der Software, von den Algorithmen und viel von der Begeisterung.“

 *„De mirablilibus urbis Romae“, so heißt der erste Führer zu den Wunderwerken der Ewigen Stadt. Der englische Gelehrte Magister Gregorius verfasste die Schrift, die nicht – wie zu der Zeit üblich – die Heiltümer Roms, sondern die erhaltenen Antiken beschreibt.

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