Bibliothekar Colin Higgins und Museumsdirektor Christoph Stiegemann mit der Schrift: De mirablilibus urbis Romae des Magister Gregorius.

Bibliothekar Colin Higgins und Museumsdirektor Christoph Stiegemann mit der Schrift: De mirablilibus urbis Romae des Magister Gregorius.

In einem Spezialkoffer brachte Bibliothekar Colin Higgins, als Kurier des St. Catharine’s College in Cambridge, einen mittelalterlichen Schatz nach Paderborn: „De mirablilibus urbis Romae“, die einzige überlieferte Abschrift seines Reiseberichts zu den Wunderwerken der Ewigen Stadt. Der englische Gelehrte Magister Gregorius verfasste die Schrift im 13. Jahrhundert. Als besondere und auch zentrale Leihgabe wird das Manuskript in der Ausstellung WUNDER ROMs im Blick des Nordens zu sehen sein. Doch zuvor wird das bedeutende historische Dokument in einem aufwändigen Verfahren im Diözesanarchiv des Erzbistums Paderborn digitalisiert.

„Wir freuen uns sehr, dass diese wichtige Schrift in Paderborn gezeigt und eingescannt werden kann“, sagte Bibliothekar Colin Higgins. „Sie wurde erst zweimal verliehen und ist erstmals in Deutschland zu sehen.“ „Mit der Digitalisierung geht für Wissenschaftler/innen unterschiedlicher Fachrichtungen ein Wunsch in Erfüllung“, ergänzte Prof. Dr. Christoph Stiegemann, der Direktor des Diözesanmuseums. „Auch viele Mitglieder unseres wissenschaftlichen Beirats freuen sich sehr, dass es nun möglich sein wird, dieses einzigartige Werk digital im Netz zu erforschen.“

Ruinen und Wunder – die Faszination der Antike

„… ein so großes Saatfeld von Türmen, so viele Paläste, dass es keinem Menschen möglich ist, sie aufzuzählen“, so beschreibt Magister Gregorius das Rom seiner Zeit. Der Reisende aus dem Norden berichtet nicht – wie zu seiner Zeit üblich – von den Heiltümern Roms, sondern von den antiken Relikten.

Bereits im 12. Jahrhundert mischen sich Reisende unter die Rompilger, die – auch wenn sie Geistliche oder Mönche sind  – nicht mehr nur das christliche Rom, die heiligen Stadt der Apostelfürsten, sehen wollen. Sie sind interessiert an den Ruinen des antiken, des heidnischen Rom. Magister Gregorius ist einer von ihnen. Er sammelt Eindrücke, verknüpft das Gesehene mit Überliefertem und greift bei seinen Schilderungen auf literarische Mittel der antiken Kunstbeschreibung zurück. Etwa wenn er eine meisterhafte Skulptur als Naturvergegenwärtigung lobt, so wie es bei Vergil und später auch bei Dante zu finden ist. Seine Schrift ist ein bemerkenswertes Zeugnis zur ästhetischen Würdigung der Antike durch einen mittelalterlichen Betrachter und nimmt uns mit auf eine spannende Zeitreise.

Cäsar und die Bronzekugel

Gregorius sah auch die Bronzekugel, die einst den Obelisken bei St. Peter krönte und die ebenfalls in der Paderborner Rom-Ausstellung zu sehen ist. An genau der Stelle, so der Magister, an welcher der Obelisk stehe (damals stand), habe Julius Caesar, der sich auf dem Weg zum Kapitol befand, einen Brief erhalten. Darin wurde der unmittelbar bevorstehende Mordanschlag gegen ihn aufgedeckt. Caesar habe den Brief entgegengenommen und gesagt, er müsse jetzt einen Astrologen sprechen und würde den Brief nach der Sitzung des Senats auf dem Kapitol lesen. Der Astrologe habe ihn ebenfalls gewarnt, aber Caesar setzte seinen Weg fort. Während der folgenden Senats-Sitzung wurde er von den Senatoren um Brutus erstochen. So sei Caesar, Herrscher und Patron der Welt, nachdem er die Freiheit unterdrückt habe, auf dem Scheiterhaufen verbrannt und zu einem Häuflein Asche reduziert, in dieser Bronzekugel eingeschlossen worden.

Doch das ist wohl eine Legende, später sollte sich herausstellen, dass die Kugel nur Schlacke und Gussreste barg.

Mehr dazu in unserem Beitrag: „Der Kaiser in der Kugel“.

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