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Workshop: Die Faszination der Idee „Rom“

Sa. 10. Juni 2017 · 10:0017:00

Dr. Michael Lönz, Essen

In diesem Workshop wollen wir der Faszination der Idee „Rom“ und ihrer philosophischen, politischen, gesellschaftlichen und religiösen Auswirkungen anhand von Beispielen nachgehen: Französische Revolution, Moskau als Drittes Rom, Rom als Vorort der Christenheit. Dabei geht es auch in allen drei Beispielen um deren gegenwärtige Bedeutung.

„Die Geschichte ist Gegenstand einer Konstruktion, deren Ort nicht die homogene und leere Zeit sondern die von Jetztzeit erfüllte bildet.So war für Robespierre das antike Rom eine mit Jetztzeit geladene Vergangenheit, die er aus dem Kontinuum der Geschichte heraussprengte. Die französische Revolution verstand sich als ein wiedergekehrtes Rom. Sie zitierte das alte Rom genau so wie die Mode eine vergangene Tracht zitiert.“ (Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte. These XIV)

Genauso, wie Benjamin mit dem Verweis auf die Französische Revolution von der Wiederkehr Roms im Gewande des Gegenwärtigen spricht, hatten die Großfürsten des rusländischen Reiches, seit Iwan IV. Wassiljewitsch Groznyj (1530-1584) endgültig „Zar“ (Caesar, sic!) nach dem Fall Konstantinopels, des „Zweiten Roms“, 1453 den Anspruch erhoben, wiedererweckter Augustus in einem wiedererweckten Dritten, nun ewigen Rom zu sein. Mit dem Fall Konstantinopels sei der Anspruch des Haupts der Welt auf Moskau übergegangen, so legitimiert der Mönch Filofej von Pskov diesen Anspruch; denn „alle christlichen Reiche sind vergangen und sind zusammen übergegangen in das eine Reich unseres Herrschers, gemäß den prophetischen Büchern: das ist das Russische Reich. Denn zwei Rome sind gefallen, aber das dritte steht, und ein viertes wird es nicht geben“. Der Moskauer Herrscher sei nun „auf dem ganzen Erdenrund der einzige Zar über die Christen und Zügelhalter der heiligen göttlichen Altäre der heiligen ökumenischen und apostolischen Kirche“. So bleibt Filofej nur, den Zar panegyrisch zu preisen: „Heute strahlt die heilige apostolische Kirche des Dritten Rom in deinem Imperium im Glanz des christlichen Glaubens auf dem ganzen Erdenrund“. Er übertextet damit gewissermaßen die Verse des Kirchenvaters Ambrosius (339-397), der das christlich gewordene „Erste Rom“ nach dem Verlust seiner politischen Funktion an Konstantinopel trotzdem wieder zum Zentrum des Erdkreises erklärt hatte: „Electa gentium caput / sedes magistri gentium“ (erwählt ist das Haupt der Völker zum Sitz des Lehrers der Völker).

 

Details

Datum:
Sa. 10. Juni 2017
Zeit:
10:00 – 17:00

Veranstaltungsort

Diözesanmuseum Paderborn
Markt 17
33098 Paderborn,
Telefon:
+49 5251 125-1400