Die Kisten werden geöffnet; hier eine Skulptur aus Italien während des Auspackens durch die Restauratoren.

Die großen Sonderausstellungen im Diözesanmuseum sind Publikumsmagnete. Die Themen sind spannend, die Leihgaben faszinierend. Was muss man tun, damit so kostbare Exponate aus aller Welt nach Paderborn kommen, z.B. die riesige steinerne Hand der Kolossalstatue des Kaisers Konstantin aus den Kapitolinischen Museen in Rom? Wir haben mit der Kuratorin Dr. Christiane Ruhmann darüber gesprochen, wie es dem kleinen Team des Diözesanmuseums gelingt, Ausstellungen von internationalem Rang auf die Beine zu stellen.

Mit WUNDER ROMs wird wieder eine besondere Ausstellung in Paderborn zu sehen sein. Wie gelingt es Ihnen namhafte Museen in ganz Europa davon zu überzeugen ihre Schätze zu verleihen?

Ch. Ruhmann: Ganz wichtig ist das Vertrauen der Leihgeber. Die erste Ausstellung mit überregionaler Strahlkraft hatte das Diözesanmuseum 1996: Frühchristliche Kunst in Rom und Konstantinopel. Seitdem haben wir uns eine ganz gute Reputation bei den internationalen Museen erarbeitet.

Wir sind gut vernetzt und sehr, sehr wichtig ist die Zusammenarbeit mit unserem wissenschaftlichen Beirat. Dort stellen wir Fachleuten von Universitäten in Deutschland und je nach Thema in ganz Europa und Kollegen aus Museen unser Konzept vor. So bekommen wir ein Feedback, Hinweise auf vielleicht noch fehlende Themen oder Exponate, die möglicherweise noch nie zuvor gezeigt werden konnten.

Abgesehen von solchen Hinweisen aus dem wissenschaftlichen Beirat – wie finden Sie die Exponate, die zu Ihrem jeweiligen Thema passen und für die Besucher interessant sind?

Eine Kurierin erstellt mit einem unserer Restauratoren das Zustandsprotokoll einer Leihgabe.

Ch. Ruhmann: Am Anfang steht jede Menge Recherche. Wir waren bei diesem Ausstellungsprojekt zu dritt, meine Kolleginnen Petra Koch, Karin Wermert und ich. Es galt wieder, bezüglich des Themas eine zeitliche Spanne von fast 2000 Jahren zu überblicken – die haben wir uns aufgeteilt. So arbeitet man sich langsam vor, liest die maßgeblichen Autoren, überlegt, welche Themen könnten wichtig sein, durchforstet die entsprechenden Ausstellungkataloge, Internetplattformen, usw.

Und das Ausleihen der Exponate, ist das nicht auch ein Tauschgeschäft?

Ch. Ruhmann: Gibst Du mir, gebe ich Dir…? Ja, auch. Wir haben gerade eine Leihanfrage von den Musei Vaticani bekommen. Für eine Ausstellung zur Geschichte des Judentums würden sie gerne einen sehr schönen 7armigen Leuchter – so um 1300 – aus dem Besitz einer Kirchengemeinde im Erzbistum zeigen. Wir sind also durchaus auf diesem Level unterwegs.

Gerade sehr alte oder fragile Kunstwerke brauchen ja eine besondere Behandlung, da ist die Ausleihe Vertrauenssache…

Ch. Ruhmann: Stimmt. Wir sind eine kleine Truppe, ein kleines Museum, aber die Standards, die wir erfüllen können, entsprechen genau denen großer, international arbeitender Museen. Unsere Leute haben das Knowhow und unsere Partner wissen das. Das Team und unser museumstechnisches Equipment – alles ist auf das Handling von konservatorisch anspruchsvollen Objekten eingestellt. Die Techniker, die Konservatorin und unsere Restauratoren kennen sich mit Klimawerten aus, die für verschiedene Materialgruppen gelten, wissen genau, wie man das alles sicherheitstechnisch behandelt, wie die Abläufe sein müssen, damit eine Leihgabe ungefährdet und entsprechend den internationalen Anforderungen an ihren Platz kommt. Wir sind ein eingespieltes Team.

Und der Transport? Das ist sicher auch nicht einfach. Wie kriegen sie das hin?

Ch. Ruhmann: Die Anlieferung der Exponate erfolgt grundsätzlich mit spezialisierten Kunstspeditionen; bis das aber so weit ist, gibt’s viel zu planen. Große Museen haben dafür viele unterschiedliche Abteilungen. Bei uns machen die Kuratoren manches in Personalunion. Was ich persönlich spannend finde, weil man auch praktisch arbeitet. Man ist bei der Auswahl der Kunstspedition und des Kunstversicherers dabei, ist zuständig für die Organisation des An- und Abtransports. Es wird natürlich auch erwartet, dass man den Finanzierungsplan der Ausstellung im Auge behält – zum Ausstellungsaufbau kommen ja die unterschiedlichsten Gewerke zusammen – das bekommen wir aber nur mit Hilfe der Finanzabteilung des Erzbistums hin.

Und dann sammeln wir Informationen: Kommt ein Kurier mit, kommt ein Restaurator mit? Wie sehen die Transport-Auflagen aus? Gleichzeitig versuchen wir zu erfahren, wie kommt das Objekt an? Ist es gerahmt? Benötigt es eine spezielle Montage? Welche Präsentationsvorgaben gibt es? All das kommt in eine Liste und dadurch wird quasi der Aufbau gesteuert. Das ist eine echte logistische Herausforderung.

Als wir etwas über die Christianisierung Europas im Mittelalter gemacht haben (Credo-Ausstellung 2013), da war bei uns schon mal in einer einzigen Vitrine ganz Europa versammelt. Und dann standen beim Aufbau Schotten, Iren, Briten, Norweger und Deutsche zusammen vor dieser Vitrine. Alle wollten anwesend sein, wenn sie geschlossen wurde. Das muss man dann eben organisieren, gemeinsam mit dem Kunstspediteur, der das im Falle der Credo-Ausstellung – da hatten wir insgesamt 231 Leihgeber aus Europa und den USA – brillant gemanagt hat. Das ist ein bisschen wie ein komplizierter Tanz.

Chefsache – das Finetuning der Ausleuchtung am Tag vor der Ausstellungseröffnung.

Also werden für den Ausstellungsaufbau viele unterschiedliche Fachleute gebraucht?

Ch. Ruhmann: Ja. Wir machen das z.B. so, dass jeder leihgebenden Institution bei der Anlieferung von uns ein Restaurator an die Seite gestellt wird. Da das Diözesanmuseum zusätzlich auch für die Kunstpflege im Erzbistum Paderborn zuständig ist, arbeiten wir ohnehin mit unterschiedlichen Restauratoren für Stein, Pergament, Holz, Gemälde oder Metall zusammen. Diese Fachleute unterstützen dann auf Wunsch die Kuriere der Leihgeber bei der Montage ihrer Objekte. Alles wird natürlich genau dokumentiert. Es gibt ein Zustandsprotokoll, wenn das Stück sein Museum verlässt und dann wieder eins, wenn es bei uns ausgepackt wird. Das nächste vor dem Verpacken nach der Ausstellung und dann wieder eins daheim beim Auspacken.  Wenn dann das „O.k. alles wieder sicher angekommen“ vom Leihgeber kommt, dann haben wir alles richtig gemacht.

Und welche Phase ist für Sie die spannendste?

Alle. Alles ist total spannend. Und alles ist total anstrengend. Man ist immer froh, wenn eine Phase vorbei ist und bei der nächsten Ausstellung freut man sich wieder genau auf diese Phase.

Danke für das Gespräch Frau Ruhmann – und gutes Gelingen!

Das Interview führte Waltraud Murauer-Ziebach

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