Hinter den Kulissen einer großen Sonderausstellung arbeitet – wen wundert’s – ein ganzes Team von Spezialisten.  Kuratoren, Restauratoren, Techniker,  Ausstellungsgestalter und viele andere mehr, sorgen dafür, dass die Besucher/innen große Kunst zu sehen bekommen. Doch damit sie überhaupt von den Ausstellungsprojekten wissen und ins Museum kommen, ist auch eine Menge zu tun. Einer, der bei den Ausstellungen im Diözesanmuseum ganz maßgeblich mit Information und Außendarstellung zu tun hat, ist Wolfgang Noltenhans.

Herr Noltenhans, Sie arbeiten als „Media Designer“ für das Diözesanmuseum und auch für die Ausstellung WUNDER ROMs. Was ist eigentlich mit  „Media“ gemeint?

Ich gestalte Printmedien, wie Plakate, Folder, Flyer, Broschüren, Postkarten, Einladungs-, Eintritts- und Postkarten, aber auch das Ausstellungsdesign und Großplakate für die Außenwerbung. Das sind z. B. die Werbeflächen, die man im Stadtgebiet sieht und auch die beleuchteten Poster an Bushaltestellen. Ich mache den Entwurf, der wird mit den Kuratoren abgestimmt, und so weiterverarbeitet, dass am Ende produktionsfertige Daten stehen. Die Herstellung der unterschiedlichen Medien liegt dann bei den Druckereien und spezialisierten Dienstleistern. Darüber hinaus betreue ich die Internet-Auftritte des Diözesanmuseums und der Sonderausstellungen vom Design und Fotodesign über die Redaktionsassistenz bis zu Webmaster-Tätigkeiten.

Hört sich wie ein Full Time Job an …

Nein, gar nicht. Viele Aufgaben gehen an meinem Profil vorbei, etwa das Fotografieren von Exponaten, die Katalogerstellung, die Innenarchitektur in 3D, Video, Sound … das machen andere, mit denen ich gerne zusammenarbeite.

Wie sieht Ihre Arbeitsweise aus?

Wolfgang (Kalle) Noltenhans, Media-Designer in Paderborn

Als ich anfing, war Photoshop noch nicht erfunden! Und anfangs wurden Druckdateien in einem Bündel von bis zu 50 lückenlos aufeinanderfolgenden „Disketten“ bei der Druckerei abgeliefert.

Seit vielen Jahren orientieren sich meine Aufträge an den Aktivitäten des Museums: Ausstellungen, Events, Werbung. Außer einem Logo existiert kein durchformuliertes Corporate Design, und das ist auch gut so. Die Grenzen und Möglichkeiten der Gestaltung  ergeben sich projektbezogen und werden bestimmt durch die Entwicklung des Museums, Fingerspitzengefühl und den Geschmack des Hauses – Trends nicht zu vergessen. Das Design ist  nicht award-winning, aber unsere Medien sind zweckorientiert und werden der Identität des Museums gerecht. Ich persönlich arbeite am liebsten mit Bordmitteln bei Bildern und Zutaten. Einen Querschnitt durch mein grafisches Schaffen für das Diözesanmuseum sieht man auf der Seite www.dioezesanmuseum-paderborn.de im Bereich der Ausstellungshistorie. Dort sind Plakat-, Katalog- oder Flyertitel der letzten Jahrzehnte zu sehen, die ich – zumeist in engem Zusammenwirken mit Christoph Stiegemann, dem Direktor des Museums, erarbeitet habe. Ich bin dankbar, dass ich schon so lange für das Museum arbeiten darf.

Macht es Spaß ?

Key Visual der Ausstellung BYZANZ (Diözesanmuseum Paderborn, 2001)
Oströmische Votivhand mit Globus und Kreuz, 6./7. Jahrhundert.

Aber ja doch. Wenn ich meine „Ergebnisse“ wiedersehe, z. B.  als Anzeigen in Zeitschriften, als Plakate im Stadtraum, die Fotos in redaktionellen Beiträgen – dann freue ich mich. Die im Außenraum von Paderborn sichtbaren Werbemittel zur WUNDER ROMs-Ausstellung habe ich fotografisch festgehalten. „Wir“ (!)  hatten großes Glück mit dem Key Visual –  dem alles prägenden Schlüsselmotiv – also der Hand Kaiser Konstantins. Sie vermittelt eine sehr attraktive und verständliche Vorstellung vom Thema der Ausstellung und signalisiert ihren Stellenwert. Vorsorglich habe ich die Hand – die in Deutschland noch nie im Original zu sehen war und auch sonst Rom noch kaum verlassen hat –  bei einer Ausstellung im Januar 2016 in Amsterdam fotografiert. Gute Foto-Vorlagen für werbliche Zwecke von den Leihgebern zu bekommen, ist oft nicht leicht.  Aber als die Werbung für diese Ausstellung anlief und die berühmte Hand sich als das bestimmende Werbemotiv herausstellte, war auch das Originalfoto des Leihgebers aus Rom zur Stelle – und es ist ein echter Hingucker. Ich brauchte nur noch einen Hintergrund hinzufügen, der sich flexibel in alle erforderlichen Formate bringen lässt. Übrigens zur Byzanz-Ausstellung, 2001, war schon einmal eine (nur wenige Zentimeter große) Hand das Titelmotiv.

Wahrscheinlich ist Vieles für Sie Routine aber gibt es auch echte Herausforderungen?

Die Hand Konstantins 2016 in Amsterdam

Herausforderungen sind für mich immer Aufgaben vom Schlage „Ein Bild lügt mehr als 1000 Worte“. Einmal habe ich ein zerschlissenes Gemälde großflächig digital  restauriert, weil das Foto dieses Exponats zu einem Zeitpunkt benötigt wurde, als die echte Restaurierung gerade erst begonnen hatte. Für die Ausstellung WUNDER ROMs wurde als Eingangs-Inszenierung ein abstrahiertes Stadtpanorama gewünscht. Es sollte das heruntergekommene Rom des 16. Jahrhunderts zeigen.  Dafür standen mir neun digitale – nicht besonders hoch aufgelöste – digitale Vorlagen zur Verfügung. Sie waren in Größe, Perspektive, Farbe und Stil sehr unterschiedlich. Ich habe sie zuerst auseinander genommen, dann wieder zusammengefügt und eine einzige Druckvorlage mit den Ausmaßen 28 x 5 Meter erstellt, in welcher die unterschiedlichen Szenerien maßstäblich zusammenpassten. Das hat mit Unterbrechungen und Neu-Anfängen mehrere Wochen gedauert und ich glaubte zunächst, dass bekäme ich nicht hin. Aber Christoph Stiegemann hilft einem in solchen Situation, indem er eigene kreative Ideen mit in die Gestaltung einbringt.

Und was gefällt Ihnen gar nicht ?

Zum Glück nur Kleinigkeiten. Die Schriftarten Arial, Times Roman und Futura habe ich bei mir gelöscht.  Und es macht mich sauer, dass unsere Webseiten permanenten Angriffen aus dem Internet ausgesetzt sind. Aber bisher konnten wir alles abwehren.

Das Interview führte Waltraud Murauer-Ziebach.

Bildergalerie von WUNDER ROMs-Plakaten im Stadtbild von Paderborn

 

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