Blick in die Ausstellung WUNDER ROMs

Blick in die Ausstellung WUNDER ROMs

Museumsdirektor Christoph Stiegemann stellt seine persönlichen Favoriten vor.

WUNDER ROMs ist eine besondere Ausstellung, vor allem, wenn man darüber schreiben darf, sozusagen das „Backstage-Privileg“ hat und hinter die Kulissen schauen darf. Großartig. Und natürlich entwickelt man Vorlieben. So wollte ich wissen, ob auch Christoph Stiegemann, der Direktor des Diözesanmuseum, Lieblingsstücke hat und welche das sind. Gemeinsam sind wir durch das Museum gegangen. Und hier kommt Teil 1 des kleinen, spannenden Rundgangs mit dem Ideengeber und Kurator dieser außergewöhnlichen Ausstellung.

Zunächst ging es flott vorbei an den antiken Größen, der Hand des Kaisers Konstantin, dem Globus vom Vatikanischen Obelisken, auch der mächtige Pinienzapfen aus dem Aachener Dom wurde links liegen gelassen. Wir übersprangen eine ganze Museumebene, beachteten kaum die wunderbare Laokoon-Skulptur und bleiben vor einem großformatigen Gemälde stehen.

Der Heilige Sebastian, Hendrick Goltzius, 1615 LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster, Inv. Nr. 192, Westfälischer Kunstverein, Münster

Der Heilige Sebastian, Hendrick Goltzius, 1615 LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster, Inv. Nr. 192, Westfälischer Kunstverein, Münster

Es zeigt den Heiligen Sebastian gemalt von Hendrick Goltzius. Doch zunächst ging es gar nicht um ihn, sondern um einen kleinen Kupferstich rechts daneben.

Christoph Stiegemann stellt vor:

Meine Lieblingsstücke. Da steige ich natürlich mit der frühen Neuzeit ein, mit dem angehenden Barock. Das ist auch der Zeitraum meiner Forschungsschwerpunkte. Aus dieser Zeit können wir hier fantastische Stücke präsentieren. Besonders die niederländischen Künstler sind nun ganz stark fasziniert von den Wundern Roms. Viele fühlen sich so angezogen von dieser Stadt, dass sie dorthin reisen, um vor Ort die großen Kunstwerke zu studieren. Sie machen Skizzen, stellen Zeichnungen her, wie beispielsweise Hendrick Goltzius, der sogar sehr exakt zeigt, dass er selbst da war und den „Beweis“ hat er in Kupfer gestochen.

Auf diesem Blatt hebt er sich selbst ins Bild, klein, unten am Rand mit seiner Zeichenfeder in der Hand. Und darüber – virtuos umgesetzt – der Apoll vom Belvedere, den er natürlich selbst im Belvedere gesehen hat. Goltzius war also authentisch in Rom, in Arcadia ego. Er kommt zurück, bringt seine Studien mit, hat sich intensiv mit der Antike auseinandergesetzt, und malt in seinem Spätwerk diesen Märtyrer, den hl. Sebastian. Das ist nun ein ganz außergewöhnliches Werk, denn es verarbeitet das Antikenstudium, steigert es und überhöht es.

Düsseldorf Kunstpalast hab ich gerade gefragt, gehtauch: Credit Line: Apollo Belvedere, Hendrick Goltzius, Kupferstich 1617 publ., Museum Kunstpalast, Düsseldorf - Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf (NRW), KA (FP) 3154 D

Credit Line: Apollo Belvedere, Hendrick Goltzius, Kupferstich 1617 publ., Museum Kunstpalast, Düsseldorf – Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf (NRW)

In dieser Darstellung des Sebastian, der hier in einer leichten ¾-Drehung mit entblößtem Oberkörper und auf dem Rücken verschränkten Armen ins Bild gesetzt ist, da ist hineingeheimnisst, eine ganz berühmte Antike und zwar der Torso vom Belvedere. Dieser Torso ist eine Antike, bei der selbst die ganz großen Bildhauer wie Michelangelo nicht gewagt haben sie zu ergänzen. Der Torso bleibt als unendlich schönes, in dieser fragmentierten Form im Grunde auch vollendetes Objekt, vollendetes Kunstwerk, für die Skulptur unantastbar.

In der Malerei zeigt jetzt aber Hendrick Goltzius diesen Torso vom Belvedere – in die Figur des hl. Sebastian übersetzt – und damit vollendet. Er zeigt hier, dass im Wettstreit der Künste die Malerei obsiegt, weil sie quasi die Bildhauerkunst überhöhen und vollenden kann. Zugleich zeigt Goltzius mit diesem christlichen Thema des Barock, dass das Christentum gewissermaßen die Antike umschließt, umfängt und auf eine neue Ebene hebt. Das lässt sich großartig an diesem Gemälde zeigen.

Prof. Stiegemann, herzlichen Dank für die spannenden Einblicke.
Und demnächst hier: Lieblingsstücke II, das Raunen der Ruinen – Entdeckungen im römisch-niederländisch Kunst-Kabinett.

Waltraud Murauer-Ziebach

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